Das Segelboot

Vorwort

Ein Freund hatte von seinem Segellehrer erfahren, der ein klassisches Holzsegelboot in Schweden gekauft hatte, es anschließend überführte, um es dann mit etwas Gewinn in Deutschland wieder zu verkaufen. Ich war sofort angetan von der Idee und fand: Das ist das richtige Abenteuer für mich. Etwas Schnaps half bei der Entscheidungsfindung und so stand fest: Johnny geht unter die Segler. Die Planung begann mit der Suche in diversen Foren und Bootsbörsen. Schon bemerkenswert, wie viele schöne Boote zu fairen Preisen in Skandinavien angeboten werden – teilweise sogar verschenkt. Gut, die Gratis-Boote eignen sich dann eher weniger für eine anschließende Ostseeüberquerung und ich bin ja auch bereit Geld zu bezahlen, wenn das Boot es wert ist.

Schnell gab es eine Telegram-Gruppe, in der ich fast täglich neue Angebote postete. Die anderen Teilnehmer der Gruppe waren nicht so euphorisch wie ich und man antwortete nur sporadisch auf die in meinen Augen alle idealen Boots-Vorschläge. Mich hat es nicht gestört. Ich war mal wieder im Kaufrausch. Hatte Skype-Besichtigungstermine und „lernte“ Schwedisch. In Schweden forcierte ich meine Suche, weitete aber den Suchradius aus, bis ich in komplett Skandinavien nach dem passenden Boot für uns suchte. „Uns“ beschreibt Flori, Sandra, Toni und mich. Wir waren die, die ursprünglich von dem Abenteuer überzeugt waren. Dass alles anders kam, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Bootssuche

Was für ein Boot wollten wir denn eigentlich haben? Wir wussten es selber nicht. Angefangen haben wir mit Holzsegelbooten. Klassische Linien, wunderschön, aber auch unpraktisch, meist schlecht ausgestattet und einen Käufer zu finden, könnte sich schwer gestalten. Wir haben dann eine Prioritätenliste angefertigt um das schier unüberblickbare Angebot etwas besser beurteilen zu können. Wichtig war für uns die Sicherheit, deswegen stand ein Plotter mit AIS ganz oben auf unserer Liste. Je mehr Technik um so leichter der Verkauf, dachten wir. Erst dann kam der „Luxus“ auf unserer Liste. Bad, Dusche, Toilette – alles nicht so wichtig für uns. Wir wollen Abenteuer! Letztendlich sind wir in Helsinki fündig geworden. Es wurde eine Fisksätra S30. Ein schwedischer Klassiker. Hier etwas zu der Geschichte:

Der S30 entstand auf Anregung des Schwedischen Seglerverbands und wurde von Knud Reimers als familien- und tourentaugliche Schärenkreuzervariante mit 15 cm mehr Freibord entworfen. Die im Niedergangs- und Pantrybereich gewünschte Stehhöhe brachte Reimers im achtern angehobenen Aufbau unter. Das Boot hat eine Mittelplicht und komfortable Achterkajüte. […] Abweichend vom klassischen Schärenkreuzer und im Unterschied übrigens auch zur Tourenschäre vom Typ „Lotus“ gab Reimers dem S30 mit 2,50 m mehr Breite. Dies kommt dem Platz und Segeltragevermögen zugute. Knud Reimers hatte selbst einen S30 und sein Boot bis ins hohe Alter hinein versiert gesegelt. 12,50 m lang, Wasserlinie 9,30 m, 2,50 m breit, 1,47 m Tiefgang, Verdrängung 3,1 t, 1,45 t Bleikiel, Großsegel 22,25 qm, Fock 15,30 qm, Genua 27 qm. 13 PS Volvo Penta MD 7 mit Saidrive 110 S und Faltpropeller. Der S 30 wurde von 1972 bis 78 mit dem stufigen Aufbau von der schwedischen Fisksätra Werft in Västervik in GFK gebaut. Danach folgte eine Variante mit kantigem, „aufgeblasenem“ Aufbau mit der Absicht, etwas mehr Platz unter Deck zu schaffen. Insgesamt wurden mehr als 300 S30 Tourenschärenkreuzer gebaut. Sie werden in Skandinavien, Norddeutschland, England, den USA, Australien und am Bodensee gesegelt, wo mehrere S30 liegen.

Quelle: http://www.svlf.de/klassiker/s-30-g177-vivika/

Die Schweden sind sehr stolz auf Ihre S30, was das Boot in den letzten Jahren zu echten Sammlerstücken hat werden lassen. Es gibt sogar einen S30-Verband.

Ende 2019 schrieb ich fast jeden Tag mit dem Verkäufer. Ich hatte unzählige Fragen und er beantwortete geduldig jede Einzelne davon. Irgendwann war dann alles geklärt, ein Flug für Anfang 2020 gebucht und die Vorfreude stieg ins Unermessliche. Flori und ich flogen gemeinsam nach Helsinki. Hier die Berichte aus dem Boote-Forum zum Kauf.

Nun darf ich es voller Freude und Stolz bekannt geben: Johnny ist ein Segler. Ich konnte einfach nicht anders. Doch nochmal ganz zum Anfang. Am Freitag morgen um 4 Uhr in der Früh hieß es aufstehen. Den Wecker hätte ich nicht gebraucht, da ich eh fast kein Auge zu machen konnte. Der Vater eines Freundes, mit dem ich das Boot besichtigen und auch kaufen wollte, fuhr uns zum Flughafen. Keine 2 Stunden später landeten wir in Helsinki und erfreuten uns an herrlichem Sonnenschein. Der Verkäufer holte uns ab und wir fuhren noch kurz zum Supermarkt einen kleinen Snack holen. 7 Euro für einen Saft und ein Sandwich – willkommen in Finnland. Anschließend ging es in die Marina, in der das Boot stand. Schon als wir an den zugepackten Booten vorbeifuhren, konnte ich die Fisksätra S30 erkennen. Schmal, aber unheimlich lang. Sie stand zugepackt zwischen 2 größeren Booten, einer Bavaria mit 38 Fuß und einem anderen großen Segler. Schnell waren die Arbeitshandschuhe angezogen und eine Leiter herbeigeholt. Die erste Inspektion des Unterwasserschiffs war zufriedenstellend. Ein, zwei Sachen kann man noch verschönern, aber grundsätzlich waren wir zufrieden und wollten endlich die Planen lüften. Oben am Boot angekommen zunächst verhaltene Euphorie. Viel Laub und Schmutz. Nicht so wie auf den Bildern, aber nichts was der gute alte Schrubber nicht entfernen könnte. Wir schauten uns das Boot mit dem Eigentümer an. Er erklärte uns alles und beantwortete unsere zahlreichen Fragen. Hier und da waren Ecken, die wirklich noch etwas Arbeit beanspruchen würden. Wie so oft auch die Elektrik. Aber da kann ich auf meinen Vater zählen. Die Besichtigung dauert geschätzt eine Stunde. Danach waren Zehen und Finger eingefroren und wir beschlossen, in das Clubgebäude zu gehen, um den Papierkram zu erledigen. Das dauerte keine 10 Minuten. Nach Unterschrift der Papiere und Übergabe des Geldes, gaben wir dem Verkäufer noch eine Flasche Single Malt für die Bord-Bar seines neuen Schiffes und der Deal war abgeschlossen. Wir machten einen Termin zur Wasserung und zum  Maststellen aus. Der Verkäufer verabschiedete sich und wir gingen erneut zum Schiff, um Bilder zu machen und nochmal in jede Ecke zu schauen. Nun steht es also fest. Wir werden noch zweimal vor Törn-Beginn hinfliegen, um das Antifouling zu erneuern, die Wasserung zu beaufsichtigen und die Heizung einzubauen. Anschließend geht es Richtung Heimat. Corona bedingt konnte ich meine Reisen nach Helsinki, für das wieder Fitmachen des Bootes, nicht antreten. Glücklicherweise habe ich den besten Verkäufer der Welt. Er ließ es sich nicht nehmen, das Antifouling zu erneuern, die Batterien einzubauen, den Propeller zu montieren, das Deck zu schrubben, das Boot zu polieren, den Motor auszuwintern, Funk und AIS umzumelden, den Saildrive-Antrieb zu warten und zu guter Letzt stellt er uns seinen Liegeplatz zur Verfügung, bis sein neues Boot zu ihm kommt. Unentgeltlich, wohlgemerkt. Er wird in meiner Abwesenheit auch den Mast stellen und das ganze Riggen beaufsichtigen. Ich hoffe, dass ich das dann bei meinem ersten Mal alleine hinbekomme – das hätte ich mir schon gerne angesehen. Meine Aufgaben beschränken sich dann auf die Installation des Pinnen-Piloten und der Heizung – ob wir die im August benötigen?

Quelle: https://www.boote-forum.de/showthread.php?t=292822

Wir hatten also Glück im Unglück. Corona hat uns keinen Strich durch die Rechnung gemacht, da wir auf unseren Verkäufer zählen konnten. Ein Wahnsinn, was er alles für uns getan hat. Ganz lieben Dank dafür. Im Nachhinein war es sogar gut für uns auf den Sommer auszuweichen. Im April wäre die Reise sicher nicht so gemütlich geworden. Schade war allerdings, dass unsere geplanten Mitsegler Sandra und Toni durch den geänderten Zeitplan nicht mehr an der Reise teilnehmen konnten. Felix entschied sich kurzfristig für eine Woche mitzukommen. Also wurden Packlisten geschrieben, Kartenmaterial besorgt, Reiseberichte studiert und an den Fingernägeln geknabbert. Es sollte schon bald losgehen.

Reisebericht

Die ersten Tage in Helsinki

Ankunft 22:30 in Helsinki. Es ist der 9. August 2020 und wir sind erst gestern aus Kroatien zurückgekommen. Dort waren wir eine Woche segeln. Etwas müde, aber voller Tatendrang suchen wir den Flughafen ab nach Mats, dem Verkäufer, der uns hier trotz der späten Uhrzeit abholen möchte.

Mats staunt nicht schlecht, als wir, jeder mit zwei großen Taschen beladen, in seinen BMW steigen. Die Hälfte des Gepäcks findet nur noch auf unserem Schoß Platz. Zum Glück ist es nicht weit zur NJK Marina. Wir gehen noch kurz etwas für den Morgen einkaufen und freuen uns über die 24h-offen-Mentalität in Helsinki. Das Angebot in den Supermärkten ist hervorragend. Nur die Preise dämpfen unsere Vorfreude auf den morgen geplanten Einkauf von Proviant.

Mats lädt uns und unser Gepäck vor dem Steg ab und überreicht uns den Schlüssel; er hat noch ein paar Bier im Kühlschrank deponiert – was kann man mehr von einem Verkäufer erwarten? Nachdem ein Großteil des Gepäcks verstaut ist, kochen wir uns eine Packung Nudeln mit Pesto, trinken die Biere und verkriechen uns in die Kojen.

Der nächste Tag begann mit einem Kaffee und jeder Menge Einträge auf unserer To-Do-Liste. Wir hielten es für besser, Teams zu bilden. Flori, Mats und Felix fuhren zum Supermarkt und kauften die Regale leer, während ich an Bord blieb, um die Winschen zu reparieren, den Autopiloten einzubauen und jede Menge Kleinigkeiten zu erledigen. Am Ende des Tages war dann soweit alles erledigt, aber wir beschlossen noch eine Nacht zu bleiben, wir wollten nicht gestresst losfahren. Also ging es nochmal in die Innenstadt Helsinkis. Leider war mehr oder weniger alles geschlossen, das Bier zu teuer und die Füße müde.

Am nächsten Morgen galt es Ordnung an Bord zu schaffen und die letzten Kleinigkeiten zu besorgen. Wir verabschiedeten uns von Mats und stachen in See.

Tag 1 auf See – Helsinki – Ingä

Abfahrt. Mats gibt noch Tipps zum Ablegen und für die ersten Tage, folgt uns dann bis zur Hafenausfahrt auf der Mole und knipst ein paar Fotos.

Die ursprünglich geplante Route sollte uns über das Baltikum führen. Mats schaffte es aber, uns das auszureden. Landschaftlich schöner soll die Route über den Süden Finnlands, Schweden und Dänemark sein – er soll Recht behalten.

Wir fahren die ersten Meilen unter Motor, versuchen uns erstmal zurecht zu finden. Überall gibt es kleine Inseln, Fahrwassertonnen und kleine schnelle Motorboote. Irgendwann haben wir Vertrauen und bereiten das Setzen der Segel vor. Auf einem neuen Boot immer erstmal etwas ungewohnt, aber wir bekommen es hin.

Motor aus – Stille. Die SV Tijuana beschleunigt sanft durch das ruhige Wasser. Wir sind baff und staunen über die 6 Knoten Fahrt bei nur knapp 10 Knoten Wind. In der Spitze schaffen wir 8,4 Knoten. Nach knapp 35 Seemeilen kommen wir an unserem Zielhafen an. Ein Restaurant mit Steg. Leider werden wir beim Näherkommen weggewunken und müssen uns nach einem neuen Steg umschauen. Auch der nächste, den wir im Plotter entdecken, ist nichts für uns. Zu wenig Platz für unsere Tijuana. Leicht genervt steuere ich wieder in das Fahrwasser. Im Augenwinkel erspähe ich eine Boje. Diese nutzen wir nach einigen Versuchen, mit der Heckleine festzumachen und den Bug an eine Insel zu legen, dann doch einfach als Ankerboje. So schwojen wir, umgeben von zahlreichen kleinen Inseln umher und genießen unser Abendessen.

Tag 2 auf See – Ingä – Sommärstand

Am 12. August 2020 ging es gemütlich um kurz nach 10 Uhr weiter. Zunächst 3,5 Stunden unter Motor durch die Schären, bis wir etwas freieres Fahrwasser erreicht haben. Dann hieß es wieder Segel setzen und Kurs Nord-West. Was für ein Naturspektakel. Jede Insel wird von uns bestaunt und wir können kaum glauben, wie schön es hier ist. Einige flache Stellen wurden gekonnt umsegelt. Teilweise etwas hektisch, aber wir wurden mit hervorragenden Wind belohnt. Auch ein neuer Geschwindigkeitsrekord konnte aufgestellt werden. Wir hatten das erste Mal auch recht starke Krängung. Durch das abgetrennte Cockpit haben wir jedoch ein sehr sicheres Gefühl und sind überzeugt von unserer SV Tijuana. Nach den letzten sehr warmen Tagen, war heute der erste Tag unter 30 °C, dazu ein Wind, der uns etwas frösteln ließ. Schnell wurde ein Grog gekocht. Festgemacht haben wir in einer kleinen Marina. Leider ist fast alles geschlossen, dabei haben wir uns schon sehr auf die Sauna gefreut. Pünktlich nach dem Abendessen, welches auf dem Steg zubereitet wurde, fing es an zu regnen und wir verkrochen uns in die Kojen.

Tag 3 auf See – Sommärstand – Ramsskär

Dritter Tag auf See. Und was für einer. Morgens entwickelt sich so langsam eine Routine. Der Langschläfer unter uns wird durch viel hin und her Laufen im Salon geweckt und zum Aufstehen gezwungen. Kaffee kochen, Batterie-Check, Wegpunkte auf dem Plotter setzen und die berühmte Katzenwäsche – noch alles seefest verstauen und los geht es. Heute gegen 10 Uhr, da geht noch was.

Nach 30 Minuten Fahrt unter Motor und einem Zickzack-Kurs zwischen vielen Kardinaltonnen erreichen wir breites Fahrwasser und setzen die Segel. Unser ambitioniertes Ziel ist Vänö, etwas südlich von Turku. Der Wind pustet recht stark und da wir die südlichste der möglichen Routen gewählt haben, schützt uns keine Schäre vor der Welle, welche stetig zunimmt. Wind und Welle kommen von Achtern und lassen uns regelrecht auf unserem Kurs surfen. Neuer Geschwindigkeitsrekord! Die Logge zeigt kurz 11,1 Knoten. Darauf ein Bier und eine kleine Brotzeit. Knapp die Hälfte der Strecke liegt hinter uns, als wir Hanko südlich passieren. Hier ist viel Verkehr. Mit Blick auf das AIS halsen wir im Fahrwasser. Hinter uns kommt ein Tanker immer näher. 180 Meter lang, 35 Meter breit und mit 13 Knoten deutlich schneller als wir. Kurz wird es hektisch, doch wir sind bereits außerhalb des Fahrwassers, bevor es kritisch wird. Dennoch nehmen wir uns einen Moment Ruhe und rekapitulieren die Situation. Eine weitere Schrecksekunde hatten wir erst vor einer knappen Stunde zuvor. Dort schleuderte der Baum durch eine Patenthalse die Cap von Felix in das Wasser. Man kann von Glück reden, dass es beim Verlust der Cap blieb.

Wir beschließen unser Glück nicht herauszufordern und suchen einen Hafen in der Nähe. Auf dem Plotter erkennen wir verschiedene Wegpunkte des Vorbesitzers, die zu einer Inselgruppe führen. Im Netz finden wir nichts dazu, deswegen fragen wir nach. Es handelt sich bei der Bucht wohl um den klub eigenen Naturhafen, wir dürfen aber gerne über Nacht bleiben. Uns wird die Anfahrt durchgegeben. Und ich kann euch sagen, so etwas habe ich noch nicht erlebt.

Nur anhand von kleinen weißen Dreiecken, die wie ein Leitfeuer funktionieren, hangeln wir uns durch die vielen Untiefen. Kurz habe ich mit dem Gedanken gespielt abzubrechen, aber das Zittern hat sich gelohnt. Nach dem Anlegen klatschen wir ab und lassen das Ganze kurz auf uns wirken. Was bitte haben wir hier für ein Idyll entdeckt! Ein weiteres Boot, eines des Clubs, heißt uns willkommen und eröffnet uns die Möglichkeit, die Sauna zu nutzen. Nach einem kleinen Kocheinsatz auf den Felsen geht es für 3 Gänge in die Sauna mit abschließendem Abschrecken im Wasser. Herrlich …

Tag 4 auf See – Ramsskär – Sandvik

Seglerisch war heute wieder ein großartiger Tag. Genügend Wind, wenig Welle, das Wetter sonnig – einfach schön. Wir kommen mittlerweile sehr gut mit der Navigation in den Schären zurecht, finden dennoch, dass ein Plotter hier nicht nur optional sein sollte. Wir jedenfalls sind froh, so gut ausgestattet zu sein.

Wir konnten auch die ersten Robben auf den Inseln liegen sehen. Und da wo Robben sind, muss es auch Fisch geben. Also haben wir die Angeln klargemacht und haben sie hinter uns geschleppt. Doch nichts, gar nichts, nicht mal ein Biss. Nur Seegras und dann, als ich eigentlich schon kein Bock mehr hatte, fegt ein Motorbootfahrer so dermaßen nah an uns vorbei, dass er die Schnur kappt. Auf diese Gesellschaft auf dem Wasser kann ich getrost verzichten. Uns fällt es immer öfter auf, dass die Motorbootfahrer nicht wirklich Rücksicht auf die anderen Boote nehmen, dabei gibt es hier Platz ohne Ende. Muss man nicht verstehen. Haken dran.

Wir erreichen unser Ziel. Ein kleines Restaurant/Hotel – gehobene Klasse. Wir legen am letzten freien Platz an. Zwischen einem Motorboot und einem anderen Segler. Das Restaurant liegt traumhaft an einem kleinen Berghang mit Blick auf die Schären. Wir bestellen Lachssuppe als Vorspeise, gebratenen Lachs als Hauptgang und sündhaft teures Bier zum Runterspülen. Mit 2 jungen Männern vom Nachbartisch kommen wir ins Gespräch. Es geht um Finnland, Deutschland, Wirtschaft und sogar Politik – wir verstehen uns gut. Als wir die Rechnung begleichen wollen, winkt die Kellnerin ab – man hätte bereits für uns bezahlt. Das können die Finnen. Sie sind alle super freundlich und pflegen gute Gastfreundschaft.

Wir bedanken uns mit zahlreichen Drinks auf der Tijuana, wechseln aber später das Boot und lassen den Abend bei den Jungs aus Finnland ausklingen.

Tag 5 auf See – Sandvik – Turku

Heute konnten wir dann bei kompletter Flaute und ruhiger See den Autopiloten kalibrieren. Außerdem haben wir ihn das erste Mal dazu benutzt, automatisch vorher im Plotter hinterlegte Wegpunkte abzufahren. Klappt wunderbar und erleichtert das Navigieren um einiges. Der Motor lief rund 5 Stunden ohne Probleme. Das schafft Vertrauen in einen rund 50 Jahre alten Motor. Heutiges Ziel war es nach Turku zu kommen. Hier liegen wir nun in der Marina direkt in der Altstadt und bekommen das Nachtleben hautnah zu spüren. Auf dem Weg in die Marina durch einen kleinen Kanal bekamen wir Gegenverkehr von einer 220 m langen Fähre. Morgen verlässt Felix das Boot und es geht nur noch zu zweit weiter. Der Plan sieht  vor über die Alandinseln Richtung Stockholm zu segeln.

Tag 6 auf See – Turku – Korkiakari

Heute war wieder ein besonderer Tag. Zunächst haben wir das dritte Crewmitglied verabschiedet. Anschließend wurde versucht, noch etwas Angelkram und eine Gastlandflagge für die Alandinseln zu erstehen. Leider beides ohne Erfolg. Gegen 14 Uhr hieß es dann: Leinen los, das erste Mal nur zu zweit. Kein Problem. Circa 30 Minuten fuhren wir unter Motor gen Süden, raus aus Turku. Sobald wir freieres Wasser erreichten gingen die Segel hoch und das Boot beschleunigte wie gewohnt auf Top Speed. 17 Knoten. Wind fast direkt von vorne. Also jede Menge Wenden und Lage schieben. 43 Grad war das Extrem. Schon etwas angsteinflößend, aber die Tijuana macht einen tollen Job. Wir können fast gegen den Wind kreuzen. Ein Handy geht zu Bruch, da es nicht korrekt verstaut war. Ärgerlich.

In Korkiakari entdecken wir einen vielversprechenden Anleger. Also Segel bergen und den Diesel anschmeißen. Bei auflandigem Wind fahren wir die Boje an und haken uns ein. Noch 3 Meter bis zum Steg, dann kommt der Wind auf einmal stark von der Seite und vertreibt das Boot. Ruhe bewahren. Nochmal zurück, aus der Boje aushaken und das Manöver erneut fahren. Diesmal mit Hilfe des Nachbarn. Zu zweit ist halt doch etwas mehr zu tun für jeden Einzelnen. Diesmal klappt es und wir sind fest. Kleiner Schnack, kleines Bier und ein paar Bilder.

Morgen wollen wir dann mal wieder Strecke machen. Also früh raus, aber erstmal geht es in die Sauna, die es hier an fast jedem Anleger gibt. Wir genießen unser Segelurlaubabenteuer.

Tag 7 auf See – Korkiakari – Keistiö

Gestern Abend gab es erst gegen 12 Uhr nachts Abendessen. Wir haben die Zeit in der Sauna vergessen. Dafür haben wir noch schnell die Bootsregistrierung angebracht. Die geplottete Registrierung haben wir zu Hause vergessen und so mussten wir mit Klebebuchstaben aus dem 1-Euro-Laden selber was basteln. Ich sag mal das reicht, aber wird neu gemacht, sobald wir zu Hause sind.

Heute ging es dann um 10 Uhr weiter. Leider kommt der Wind genau von vorne und so beschließen wir nur bis nach Keistiö zu segeln. Eine verschlafene Insel mit einem kleinen Fähranleger. Man bekommt das Gefühl, dass die Saison hier schon längst zu Ende ist. Man sagt, dass die Zeit in Finnland der deutschen Zeit um 2 Monate hinterher ist. Wir sind wieder das einzige Boot im Hafen. Auch gut, besonders deswegen, weil Keiner zum Abkassieren vorbeikommt, geschweige denn zu erreichen ist. Wir genießen die herrliche Sonne im Cockpit und werden heute den öffentlichen Grillplatz ausprobieren.

Wir sind bereits etwas über die Insel gewandert. Gähnende Leere. Hier und da ein Häuschen, aber kaum Menschen. Dafür frische Himbeeren am Straßenrand. Die Fähre verkehrt schätzungsweise alle 2 Stunden und bringt selten mehr als ein Auto rüber. Idylle pur.

Tag 8 auf See – Keistiö – Föglö

Heute klingelte der Wecker bereits um 5 Uhr in der Früh. Durch unseren Schlenker nach Turku haben wir etwas mehr Zeit verloren als angenommen, deswegen hieß es Strecke machen. Der Wind stand günstig. Morgens noch schwach aber konstant zunehmend. Kurs Südwest in das nächste „Land“ unserer Reise – Åland. Wir haben nach knapp 60 Seemeilen, neuer Streckenrekord, an einer kleinen Marina in Föglö festgemacht. Auch hier tote Hose. Ein weiteres, polnisches, Segelboot liegt uns gegenüber. Das waren die einzigen Menschen, die uns beim Rundgang über den Weg gelaufen sind. Auf unserem Weg hierher galt es einige Fahrwasser zu kreuzen. Nicht ohne wieder ein paar großen Fähren zu begegnen. Die größte heute hatte 226 Meter und ist mit 17 Knoten dem Fahrwasser gefolgt. Wir blieben immer auf sicherer Entfernung.

Tag 9 auf See – Föglö – Mariehamn

Kurz vorweg: Jeder der überlegt, solch eine Reise zu unternehmen, sollte es meiner Meinung nach tun. Die Ostsee hat so viel mehr zu bieten als man erstmal annimmt. Ich hätte es mir nicht so schön vorgestellt. Ok, wir haben bis jetzt nicht einen Tag schlechtes Wetter gehabt und meist guten Wind, aber ich denke hier kommt jeder zu jeder Zeit auf seine Kosten.

Ansonsten war heute ein ruhiger Tag. Knapp 20 Seemeilen sind wir größtenteils gesegelt. Unser Ziel war Mariehamn und hier liegen wir auch. Eine für unsere Verhältnisse riesige Marina. Das Segeln, Motoren und Anlegen lief mit einer gewissen Routine ab und so konnten wir etwas entspannter als am gestrigen Tag im Cockpit lümmeln. Auch hier merkt man, dass Nebensaison ist. Das Hafenbüro ist geschlossen. Die meisten Boxen sind frei und generell ist wenig los auf den Straßen. Für uns mehr als verwunderlich bei strahlend blauem Himmel.

Wir konnten das erste Mal einen Hafenmeisterautomaten benutzen. Die Anlagen sind sauber und bieten mehr als wir brauchen. Da wir bereits um 13 Uhr festgemacht haben, blieb etwas Zeit für Reparaturen. Schnell war der Öffnungsmechanismus einer Luke repariert und ein Batterieladegerät installiert. So können wir nun wirklich Landstrom nutzen.

Wir waren nett essen. Das Ambiente überzeugte, das Essen weniger. Aber trotzdem war es ein netter Abend. Anschließend saßen wir im Cockpit mit einem Whisky.

Eins sei noch erwähnt: Hier scheint die ganze Corona Krise nicht zu existieren. Man muss nirgends eine Maske tragen und sieht auch keine Leute mit Masken. Ein echt erholsames Gefühl. Urlaub. ETD morgen 4 Uhr in der Früh um den Schlag nach Schweden zu schaffen. Laut Windfinder mit bis zu 15 Knoten aus Süd, später Süd-Südwest.

Tag 10 auf See – Mariehamn – Stockholm

Ich weiß nicht, der wievielte Tag das auf dem Boot ist, geschweige denn, welchen Wochentag wir haben. Zu sehr bin ich erschöpft vom letzten Tag. Wir sind bereits um 5:30 Uhr gestartet, um den Schlag nach Schweden zu schaffen. Nach kurzer Zeit unter Motor setzten wir die Segel und begannen den Kurs West abzusetzen. Es galt ein Verkehrstrennungsgebiet zu queren. Hier fuhren drei Frachter, die wir dann doch lieber erstmal passieren haben lassen, bevor wir das VTG im 90 Grad Winkel querten.

Der Wind war leider schwach und ließ immer mehr nach, sodass wir teilweise mit unter 3 Knoten auf dem Wasser herumdümpelten. Eine Robbe schaute uns neugierig aus dem Wasser an, verschwand aber bevor das Handy gezückt war.

Wir erreichten die Küste und der Plotter piepte. Kein GPS-Signal. Dann ging er aus und nach dem Neustart war die Helligkeit auf der niedrigsten Stufe. Erstmal beidrehen. So einen Ausfall des Plotters können wir hier zwischen den zahlreichen Inseln nicht gebrauchen. Während der Überfahrt lud ich ein Update runter, da wir ja Zeit hatten – im Nachhinein betrachtet war das keine gute Idee. Mit einem Lappen um den Kopf und über dem Plotter versuchte ich etwas zu erkennen. Die Papierkarten wurden rausgeholt und der Schweiß lief mir die Stirn runter.

Entwarnung. Alles gut.

Mittlerweile war es 18 Uhr und unser eigentliches Ziel, Stockholm, war noch 30 Seemeilen entfernt. Wir beschlossen eine vorgelagerte Marina anzulaufen. Dann kam der Wind zurück. Kurz überlegten wir und entschlossen uns die Nacht durch zu fahren. 91, in Worten: einundneunzig Wegpunkte wurden in den Plotter eingetragen, die Strecke studiert, warme Kleidung und Kopflampen bereit gelegt. Das AIS zeigte, dass uns noch fünf Fähren begegnen würden. Wir segelten auf der rechten Fahrwasserseite und ließen sie passieren. Gruselige Momente im dunkeln.
Dann begann das Lichtersuchen. Stück für Stück hangelten wir uns an den Seezeichen entlang und zweimal ging es fast schief. Meiner Meinung nach sind zu wenige Seezeichen beleuchtet. Für das Anstrahlen der Reflektoren reichten unsere Lampen nicht – da sollte etwas Größeres her. Gefährlich, aber gut gegangen. Nochmal würde ich es nicht machen, ohne mich besser darauf vorzubereiten.

Wir erreichten Stockholm um 2.30 Uhr in der Nacht bei dichtem Nebel. Leinen fest, Whisky pur, extra viel und dann ab in die Koje.

Am Morgen wurden wir mit bestem Wetter belohnt und wir genießen die Stadt, die Menschen und das Essen.

Die nächsten 3 bis 4 Tage wird es windig und wir müssen etwas besser planen. Grob soll es etwas die schwedische Küste runter gehen, bis wir nach Gotland und dann nach Polen übersetzen können.

Tag 11 auf See – Stockholm – Smadalarö

Erst heute morgen sind wir in Stockholm angekommen. Uns gefällt die Stadt auch sehr gut, aber dennoch schmeißen wir gegen frühen Abend die Leinen bereits wieder los. Zu sehr haben wir Angst mit der Zeit nicht zurecht zu kommen. Lieber etwas Strecke machen. Stockholm ist schon recht weit im Land – hätten wir nicht gedacht. Also fahren wir, größtenteils unter Motor Richtung Küste. Diesmal aber eine andere Strecke. Etwas südlicher. Irgendwann setzen wir doch noch die Segel und bieten uns ein Rennen mit einem anderen kleinen Segelboot. Nach ein paar Schlägen schaffen wir es, uns von ihnen abzusetzen, wir sind deutlich schneller, nehmen das „Rennen“ aber auch etwas ernster. Das Ziel: Smadalarö, ein Restaurant und Hotel in einer gefangenen Bucht. Wir kommen erst bei totaler Dunkelheit an. Kurz vor der Ankunft fängt es an zu regnen und wir sehen, dass alle Plätze belegt sind – ein ungewohntes Bild. Das Echolot ist schon wieder am Piepen und ich bin etwas genervt. Wieso kommen wir immer im Dunklen an? Wir brauchen zwei Anläufe, um uns als dritter Päckchenlieger noch ganz außen hin zu legen. Halb im Schilf, halb auf dem Nachbarn und direkt vor der Saunahütte machen wir fest und stürmen direkt nach oben zum Restaurant. Hier wird überteuertes Essen mit viel Schi Schi angeboten. Für uns stimmt das Preis-Leistungsverhältnis nur deshalb, weil wir keine Hafengebühr bezahlen. Nach dem Essen verkriechen wir uns wieder in die Kojen – es regnet noch immer.

Tag 12 auf See – Smadalarö – Nynäshamn

Heute gab es Wind und reichlich Welle. Um 10 Uhr sind wir auf dem Wasser. Die anderen Päckchenlieger lassen es langsamer angehen, frühstücken ausgiebig, nutzen die Sauna und hüpfen vom Boot aus in das Wasser. Wir sind nicht so im Bademodus. Es ist uns auch zu voll und ohnehin wollen wir lieber Strecke machen. Der Wind nimmt nach der geschützten Bucht schlagartig zu, auch die Welle schaukelt uns gut durch. Das erste Mal kommen Wellen über und wir haben mächtig Spaß. Wir kreuzen den ganzen Tag, freuen uns über die übersteigende Gischt und fühlen uns wie ganz große Segler. Wir wussten noch nicht, dass das er Gestern haben wir uns? Da fehlt was… für den Schlag nach Gotland in Nynäshamn in Position gebracht und hatten tolle Stunden auf dem Wasser. Am Abend sind wir in die Marina eingefahren. Klasse System und mit 29 Euro fair bepreist, wie wir finden. Es gab lecker Fisch zum Abendbrot.

Tag 13 auf See – Nyäshamn – Lickhamn

Wir beschlossen am heutigen Morgen früh zu starten, um möglichst viel vom Tag in Visby verbringen zu können. Also klingelte der Wecker bereits um 03:30 Uhr. Kurz fertig gemacht und los. Bereits kurz hinter der Hafenausfahrt gab es Wind und Welle um die Ohren. 

20 Knoten, in Böen 25 und 1,50m Welle. Wir sind ordentlich durchgeschaukelt worden. Aber die Tijuana hat auch das gut überstanden. Nach knapp 13h Fahrt kommt die Küste in Sichtweite. Leider müssen wir einen weiteren Schlag machen, da wir etwas zu weit abgefallen sind. Also fahren wir eine Wende, da wir nur unter Vorsegel gefahren sind, ist alles entspannt. 7 Knoten im Schnitt. 11 Knoten Spitze. 500 Meilen geknackt. Was für ein Tag.

Doch dann der Blick in den Salon. Die Bodenbretter schwimmen auf. Wir haben ordentlich Wasser im Boot. Pechschwarz und voll mit Stücken. Sofort wird gelenzt und nach dem Leck gesucht. Das Lenzen bringt nichts, wir nehmen immer mehr Wasser auf. Ich habe einen Pan Pan gefunkt und bekam sofort Antwort von Sweden Rescue. Auf Kanal 67 wurde die Situation beschrieben und uns wurde versichert, dass Hilfe unterwegs sei. Wir sollen versuchen, das Leck zu finden und Ruhe bewahren. Wir trugen die ganze Fahrt über eine Rettungsweste und einen Lifebelt, hatten also ein sicheres Gefühl. Die Suche nach dem Leck endete in der Achterkabine. Da strömte Wasser an den Wänden herunter. Immer auf der Leeseite. Sofort das Segel rein und den Motor an. Gegen die Welle und den Wind bringt der uns allerdings nur auf 1.4 Knoten Fahrt. Egal. Zeit gewonnen zum Lenzen. Und in der Tat, das Wasser im Salon sinkt. Kurz auf Kanal 67 durchgegeben, dass das Leck gefunden sei, wir nun Motoren und uns knapp 12 Seemeilen vor Visby befinden. Als Antwort kam, dass bereits in wenigen Minuten jemand da sein sollte. Und in der Tat. Es kamen 2 schnelle Boote der Küstenwache, eines der Polizei, eine Fähre stoppte neben uns auf und dann kam noch der Helikopter und flog knapp über uns und sondierte die Lage. Nach kurzem Austausch flogen und fuhren alle bis auf die Polizei zurück in die Häfen.

Das Polizeiboot eskortierte uns noch in den nächstgelegenen Hafen, Lickhamn. Hier angekommen ging die Suche nach der Leckage weiter. Wieso ist das alles so schwarz? Schlagartig fällt mir ein, dass unsere Grillkohle im Achterlichen Ankerkasten verstaut ist. Wir haben den achterlichen Ankerkasten geöffnet und tatsächlich steht dort die Suppe bis zur Oberkante. Die nächsten drei Stunden haben wir also geschrubbt, geputzt und gewaschen. Selten war ich so erschöpft.

Tag 14 auf See – Lickhamn – Visby

Wir liegen mittlerweile in Visby. Hier konnten wir im Hafen unsere „Retter“ ausmachen. Wir sind gestern allerdings erst um 10 Uhr angekommen, da waren bereits keine Lichter mehr an. Wir werden aber noch mal vorbeigehen und uns bedanken. Wir konnten gestern erst um 17 Uhr aufbrechen, da das Boot immer noch super dreckig war. Die komplette Bilge wurde mehrmals gespült bis die Kielbolzen wieder zu sehen waren. Jedes Schapp wurde geschruppt. Leider haben nicht alle Polster überlebt und wanderten in den Müll. Auch ein Inverter, den wir eigentlich noch einbauen wollten, endete im Müll. Nun ist alles wieder sauber und wir werden die Stadt besichtigen und hoffentlich eine neue Dichtung für den achterlichen Ankerkasten kaufen können.

Hafentag – Visby

Heute war unser erster Hafentag seit Helsinki. Das erste Mal nicht inmitten der Nacht aufstehen. Das erste Mal nicht Segel setzen. Irgendwie langweilig, aber schön und vor allem entspannt. Um kurz nach acht waren wir auf dem Weg zum Baumarkt, um etwas Inspiration für die lecke Luke zu sammeln. Wir konnten für relativ kleines Geld alles kaufen, was benötigt wurde. Die alte Dichtung wurde mit Sika aufgearbeitet und ein Fastener zum sicheren Verschließen wurde angebracht. Praxistest erfolgt morgen.

Ansonsten liefen wir stundenlang durch die schöne Altstadt Visbys. Herrliches Wetter. Gutes Essen. Nette Leute. Ein Inseltraum. Wir hielten noch einen kleinen Plausch mit einem anderen Segler aus Deutschland, der letztes Jahr bereits hier war. Letztes Jahr ging es nur gequetscht in den Hafen. Vermutlich durch die Nebensaison und Corona haben wir einen äußerst günstigen Zeitpunkt erwischt um hier zu reisen.

Unser Plan über Litauen nach Polen zu gelangen wird wohl verworfen, da es seit gestern wieder verschärfte Einreisebeschränkungen gibt. Wir werden morgen nochmal das Wetter checken und Rücksprache mit der Küstenwache Litauens halten. Plan B sieht vor den Schlenker über Öland, Polen und Bornholm zu fahren. Auch schön.

Tag 15 auf See – Visby – Bödohamn

Eigentlich wollten wir von hier aus zur Südspitze Gotlands segeln, haben es uns aber während der Fahrt anders überlegt. Schnell war der Kurs auf die Nordspitze Ölands geändert und die Segel dem Kurs angepasst. So ging es dann für knapp 40 Seemeilen bei 20 Knoten Wind und einer wieder sehr großen Welle zügig nach Böda, einem kleinen Fischereihafen. Da wir die Welle schön von hinten hatten, konnten wir mit 13.2 Knoten einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellen.

Am Abend waren wir beiden nass und durchgefroren, drum gab es zum Abendbrot ganz puristisch: Fleisch mit Salz.

Der Hafen ist leider nicht so gut gegen die Nordostwinde geschützt und dadurch, dass der Wind die ganze Nacht durch gepustet hat, musste der Skipper mehrmals in der Nacht nach dem Rechten sehen. Die Fender wurden etwas angepasst und dann mit einem offenen Auge und Ohr geschlafen. Ungemütlich.

Entsprechend müde war ich heute morgen. Eigentlich geplante ETD 7 Uhr haben wir zum Kaffee kochen und lesen genutzt. Nur langsam klart es auf. So bleibt etwas Zeit um beim Fischer für 5 Euro 2 Stück Dorsch und 2 Stück Scholle zu erstehen. Frischer und Günstiger geht wohl kaum. Die Hafengebühr inkl. Strom und super sauberen Sanitärgebäuden gibt’s für 16 Euro. Da kann man sich nicht beschweren. Mit uns liegen ein paar Kutter und ein Rettungsboot im Hafen. Keine anderen Segler, nur jede Menge Camper stehen am Strand.

Geplant ist nun möglichst weit Richtung Süden Ölands zu fahren und von dort aus auf guten Wind für die Überfahrt nach Bornholm zu warten. Entweder direkt morgen, oder erst nach zwei Hafentagen auf Bornholm. Dann nach Polen – am liebsten nach Kolberg, dort wollte ich schon immer mal eine Kutterfahrt auf Dorsch mitmachen, zumal unsere Angelversuche bisweilen nur Stress und Kosten verursacht haben.

Tag 16 auf See – Bödohamn – Grönhögen

Eigentlich wollten wir ja früh los, aber da war der innere Schweinehund. Gegen halb elf machen wir uns auf den Weg. Leichter gesagt als getan. Der auflandige Wind drückte die Tijuana mit 20 Knoten gegen die Kaimauer. Der 10 PS Volvo Penta schaffte es nicht per Eindampfen in die Vorspring das Heck vom Anleger wegzudrücken. Also das Boot etwas nach hinten verlegen. Dort sind jede Menge Autoreifen an der Spundwand. Falls was schief gehen sollte beim Ablegen, werden wir hier sanft zurückgehalten. Die Achterspring bleibt. rückwärts und Ruder hart Steuerbord. Langsam drückt sich der Bug weg vom Kai. Vollgas und die Crew unterstützt den Motor mit Körpereinsatz. Dann Leinen los und mit Volldampf raus aus der Lücke. 3 Meter vor uns steht ein Kutter, nach hinten ist es kaum ein Meter zu einem weiteren Holzkutter. Ruder hart Backbord. Ein paarmal rempeln wir mit dem Heck an die Autoreifen. Schwarze Schlieren am Rumpf. Ärgerlich, aber wir sind frei. Kaum aus der Hafeneinfahrt schaukeln uns die Wellen erneut ordentlich durch. Wir setzen Segel und der Motor darf sich schonen.

Heute nur ein kurzer Tag. 38 Seemeilen zeigt der Plotter. Das sollte schnell gehen mit 7 Knoten Fahrt. Die Welle schiebt von schräg hinten. Das Steuern strengt an, da man immer kurz vor der Halse steht.

Zum Essen kochen ist die See zu unruhig. Wir werden hungrig und freuen uns auf den heute morgen frisch gekauften Fisch.

Der Hafen ist in Sicht. Fender und Leinen liegen parat. Die Hafeneinfahrt ist eng. Wir schaffen es in das Becken und suchen uns einen Platz aus. Dann piept das Echolot. Laut Plotter und Seekarten sollte das Becken 2m Tiefe haben. Mit 1,50m Tiefgang eigentlich kein Problem, aber das Boot stoppt sanft auf. Fauliger Geruch steigt in unsere Nasen. Wir schaukeln uns frei und versuchen die andere Seite des Hafenbeckens. Auch hier Schlick. Es hilft nichts. Wieder raus aus dem Hafen. Mist.

Mittlerweile ist der Wind weg, die Dünung da. Im Hafenhandbuch und auf dem Plotter gibt es in der Nähe keinen Hafen zum ausweichen. Wir loten unsere Möglichkeiten aus. Zurück? Näh! In einen anderen kleinen Fischereihafen? Dort soll es auch nur 2m im Becken haben. Wir würden erst im Dunkeln ankommen. Beides keine Lösung. Also setzen wir Kurs auf Grönhögen, noch knapp 35 Meilen.

Der Autopilot wird eingestöpselt und steuert uns durch die ungemütliche Dünung. Nun ja, wird ’ne lange Nacht. Der Kaffee schmeckt, es ist frisch wenn die Sonne weg ist. Die erste Wache übernehme ich. Wechsel in drei Stunden.

Ankunft morgens um 5:30 Uhr. Müde fallen wir in die Koje. Die Nachtfahrt war anstrengend, kalt, einfach unbequem. Die Dünung schaukelte uns durch. Schlafen unter Deck kaum möglich. Während meiner Wache war es zunächst dunkel, später gab der wolken bedeckte Himmel kurz den Mond frei. Ich konnte das Land riechen, jedoch nicht sehen. Nur ein paar Lichter konnte man an der Küste erkennen. Schon etwas unheimlich. Ein bis zwei Tanker fuhren in weiter Entfernung seewärts an uns vorbei. Wir mit 4 Knoten, um den Motor zu schonen, die mit knapp 20.

Als ich zur zweiten Schicht antrete, lichtet sich der Himmel. Die Sonne geht auf. Die Nacht vorbei, kaum noch Welle. Das macht Spaß, wäre da nicht die Müdigkeit. Wir halten uns mit lauter Musik wach, sprechen kaum miteinander. Direkt nach dem Anlegen geht es in die Koje. Alles was geht wird dunkel gemacht. Wir wollen mal wieder ausschlafen.

Tag 17 auf See – Grönhögen – Sandhamn

Nach knapp 5h Schlaf klopft der Hafenmeister aufs Deck. Wir denken er will kassieren, doch er gibt uns den Hinweis, dass schon bald eine üble Südwestwind-Phase beginnt. Der Hafen bietet wohl keinen Schutz. Also raus aus der Koje, alles klar machen, kurz zum Supermarkt und dann wieder Leinen los. Ziel: Sandhamn, an Schwedens Ostküste, Festland.

Als wir die Leinen los schmeißen, öffnet sich der Himmel und gibt Wasser frei. Und das nicht zu knapp. Binnen Sekunden sind wir durchnässt. Nicht das, was wir uns erhofft haben und es trübt die Stimmung weiter.

Die Überfahrt zum Glück mit 20 Seemeilen nur kurz, aber eben auch nass. Hier empfängt uns ein Helgoländer, hilft beim Anlegen. Wir liegen schlecht. Wind aus der Hafeneinfahrt drückt uns ans Dock. Ich frage, ob nicht an der geschützten Seite noch was frei wäre. Er meint, es sei dort flach und viel Platz hinter dem Motorboot sei auch nicht mehr. Ich möchte es dennoch versuchen, möchte endlich mal ruhig liegen und schlafen. Doch in der Tat: Es ist eng. Aber das passt schon. Völlig durchnässt und müde legen wir an. Zum Motorboot knapp 40cm, die Angel und der Flaggenstock müssen sogar kurz reingenommen werden. Kurzer Plausch: woher, wohin, wie lange unterwegs, cooles Boot und dann raus aus den Klamotten. Warme Dusche und nun endlich den Fisch braten.

Hier werden wir wohl nun die nächsten beiden Tage festhängen, auf guten Wind für den Bornholm-Schlag warten. Hier gibt es Räder, viel zu sehen wohl nicht. Alles zu, 5 andere Segler, viele Camper.

Der Hafen ok. 20 Euro mit Strom.

Zwei Hafentage – Sandhamn

Ausschlafen. Knapp 12h liegen wir in der Koje. Beim Lesen weggenickt. Um 9 Uhr ist die Müdigkeit verflogen und der Tatendrang wächst. Schnell sind 2 Räder geschnappt und wir düsen zum Supermarkt.

Uns fehlt ganz simpel: ein Kugelschreiber. 2 Minuten und 2 Euro später sind wir wieder auf den Rädern Richtung Naturreservat. Dieses ist hauptsächlich durch junge Familien und Ornithologen besucht. Die Vogelwarte ist wohl sehr bekannt und man kann allerlei Vögel beobachten. Wir erspähen eine Möwe und einen einem Bussard ähnlich sehenden Vogel. Wir fahren weiter. Es soll noch eine Steinritzung aus der Bronzezeit zu entdecken geben. Auf dem Weg dorthin halten wir bei Lenas Kaffee und essen köstlich. Ein echter Geheimtipp. Im privaten Haus und Garten serviert eine ältere Frau hausgemachte Speisen. Herrlich.

Wir irren etwas in dem kleinen Ort umher, finden zahlreich Brombeeren am Wegesrand und versuchen unser Glück beim Pilze sammeln. Es bleibt bei dem Versuch, obwohl die Wälder optimal scheinen. Vielleicht etwas trocken? Wohl nicht nach den letzten Tagen. Mitten im Wald werden wir dann fündig. Knapp 3000 Jahre alte Ritzungen auf einem 10m mal 20m großen Felsen. Teilweise von Schiffen und Pferden, andere sind ungeklärt.

Schnell sind ein paar Bilder geknipst und wir fahren zurück in den Hafen. Hier macht jeder seins. Ich versuche wieder vergeblich einen Fisch an Land zu holen, während Flori Bilder der Schiffe zeichnet und seine Mundharmonika-Skills zu verbessern versucht. Ersteres gelingt ihm besser, wie ich und sicherlich ein paar andere Hafenlieger finden. Nachdem die anderen Deutschen heute den Hafen verlassen haben, haben wir die Tijuana doch etwas weiter nach hinten verholt. Sicher ist sicher. Nun gibt es die Reste aus dem Kühlschrank zu einer Art Soljanka zubereitet. Dazu kühles Bier. Prost.

Tag 18 auf See – Sandhamn – Rønne

Sonntag ging nicht viel bei uns. Der Wind war zu schwach und kam aus der falschen Richtung. Also noch ein Tag in Sandhamn. Zeit, die wir nutzten, um kleine Verbesserungen am Boot umzusetzen. Nach dem Wettercheck, wurde die Abfahrt auf 2 Uhr morgens festgelegt und der Wecker auf 1:30 Uhr gestellt. Nach dem Abendessen und ein paar Bieren verkrochen wir uns in die Koje.

Pünktliche Abfahrt. Um 2:02 Uhr verlassen wir den Hafen. Der Mond ist orange und steht direkt über dem Horizont. Leider konnte ich kein Foto schießen, da ich mich beim Vorwindkurs auf das Steuern konzentrieren musste. Auch das doch recht viel befahrene Verkehrstrennungsgebiet erfordert Aufmerksamkeit, besonders in der Dunkelheit. Eine Fähre verlässt das VTG und passiert uns achterlich in einem relativ knappen Abstand. Ich kann die Fähre deutlich hören und riechen. Nach 3h ist die Dunkelheit verflogen und ich werde abgelöst.

Wir haben Glück mit dem Wetter. Kein Regen, konstanter Wind aus der richtigen Richtung und die kleine Welle schiebt uns an. Durchschnittlich knapp 7 Knoten Fahrt. Nach knapp 60 Seemeilen erspähen wir den Nordzipfel Bornholms, ein neues Land auf unserer Reise, darauf ein Bier. Unser Ziel, Rønne, auf der Westküste, liegt noch in knapp 15 Seemeilen Entfernung. Leider lässt der Wind nach, aber wir nehmen es gelassen, liegen gut in der Zeit.

Im Hafen überlasse ich Flori die Pinne, sein erstes Anlegemanöver. Seitlicher Wind vertreibt das Heck, welches wir nur mit Hilfe eines anderen Seglers zurück an den Fingersteg gedrückt bekommen. Er bemängelt unsere viel zu kurzen Festmacher, Recht hat er. Nachdem wir fest sind, uns landfein gemacht haben, gehen wir rüber und bedanken uns mit einer Dose Bier, wir kommen ins Gespräch. Er hört uns an, dass wir aus Berlin kommen, so wie er. Klein ist die Welt.

Wir sind hungrig und schlendern durch die Stadt, kurzer Stopp im Pub und dann geht’s ins Buffalo Steak House, welches wir sehr empfehlen können. Wir sitzen lange und werden bestens bedient. Anschließend geht es in einen weiteren Pub, in dem wir die Vorzüge des Alkoholpreises auf Bornholm auskosten. Als wir nach dem Zapfenstreich in Richtung Hafen zurücklaufen, blicken wir auf einen traumhaften Sonnenuntergang.

Auf dem Hafengelände räumt der dort ansässige Ruderverein die Boote zurück in den Schuppen. Sehr schöne Boote. Im Cockpit entdecken wir 2 lange Festmacher, eine großzügige Geste unserer Nachbarn. Leider kamen wir nicht mehr dazu, uns persönlich zu bedanken deswegen hier: Danke nach Charlottenburg.

Hafentag – Rønne

Am heutigen Morgen lassen wir es langsam angehen. Wir kaufen beim Fischmarkt Dorsch, Heilbutt, Leng und Seeteufel. Auf die Hand gibt es geräucherten Lachs.

Der nächste Stopp ist der Bootszubehör-Laden im Industriehafen. Unser Traveller ist bei einer ruppigen Halse kaputtgegangen. Leider hat der Laden keinen Ersatz, auch der Lewmar-Händler aus Kopenhagen hat keinen, eine Besorgung würde Tage, wenn nicht Wochen dauern. Der Besitzer, selber Segler, schlägt vor, dass wir den Traveller ausbauen und vorbeibringen können. Vielleicht kann man ihn reparieren. Gesagt getan. Eine Stunde später, in der wir durch die Stadt schlendern und unsere restlichen Einkäufe erledigen, sind wir erneut im Laden. Kurzer Austausch mit einem anderen Angestellten und die Lösung ist gefunden. Eine Edelstahlplatte, versehen mit ein paar Löchern und Gewinden ersetzt die kaputten Teile. Uns gefällt die Notlösung besser als das Original, viel robuster.

Es beginnt zu regnen, also ab in den Salon, essen kochen. Anschließend lesen. Ich beende das Buch der Nordseeumrundung von Wilfried Erdmann – Vielleicht unsere nächste Tour? – und beginne direkt das nächste Buch: „Am schönsten war es überall“, erworben im Boote-Forum.

Tag 19 auf See – Rønne – Nexø

Mittwoch schlafen wir aus. Am Abend zuvor haben wir den Wetterbericht so interpretiert, dass es am meisten Sinn macht, erst um 13 Uhr aufzubrechen. Der Tag ist regnerisch, also gibt es das Frühstück an Bord – Dänischer Milchreis.

Unser heutiges Ziel, knapp 18 Meilen entfernt, Nexø. Ein einfacher Törn, denken wir, überlegen sogar kurz, überhaupt in das Ölzeug zu steigen. Besser ist es, denn direkt beim Ablegen fängt es an zu regnen. Vielleicht wäre es doch besser gewesen den Wetterbericht heute nochmal zu überprüfen.

Kurz hinter der Hafenausfahrt fällt uns eine nicht weit entfernte Windhose auf. Der Wind nimmt schlagartig zu. Von 10 Knoten auf über 20 Knoten in wenigen Minuten. Auch die Welle baut sich auf. War sie zu Beginn des Törns noch so gut wie nicht vorhanden, ist sie binnen einer halben Stunde auf bis zu 2 Meter angestiegen.

So hatten wir uns den Tag nicht erhofft. Der Regen nimmt zu, der Wind dreht und dann setzt auch noch Nebel ein. Verflixt was ist mit der Ostsee los? Für die Strecke von 18 Meilen benötigen wir mehr als 6 Stunden. Gerechnet hatten wir mit 3 Stunden. So kann man sich täuschen. Eigener Fehler, blöder Fehler. Wären wir besser noch einen Tag in Ronne geblieben.

In Nexø kommen wir total erschöpft und durchnässt an. Immerhin ist der Hafen gut geschützt.

Nur im Gästehafen ist kein Platz mehr für uns, wir verlegen in die anschließenden großen Industriebecken, wie einige andere Segler. Hier sind nur wieder diese Autoreifen am Kai montiert. Die Fender rutschen in die Lücken und das Gummi färbt die Tijuana schwarz. Ich flitze schnell zu einer Mülltonne und finde ein Stück Restholz, schnell 2 Löcher gebohrt. Mit dem Fenderbrett geht’s.