Wer bin ich? #1

„Willst du arbeiten bis zum Tod? Kaufe dir ein altes Boot!“

Ahoi,

mein Name ist Johnny, ich bin vor kurzem 25 Jahre alt geworden und das hier ist mein Blog.

Ich komme aus Berlin und habe eines der schönsten Hobbys der Welt – Boote.

Vor circa 4 Jahren hat mich das Virus gepackt und seit dem komme ich nicht mehr los vom Wasser.

Der Blog soll mir helfen den Überblick zu behalten, meine nächsten Schritte zu planen und bereits Erreichtes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Euch soll er amüsieren und helfen aus meinen Fehlern und Erfolgen zu lernen.

 

Unterboden – der Start einer Schweißerkarriere? #17

Nun war das Boot erstmal kahl. Die Planung stand im Groben fest und die Umsetzung musste beginnen. So wie die Unterbodenkonstruktion vorher war, wollten wir sie nicht lassen. Die Querstreben waren im Abstand von ca 35cm angebracht. Das würde bedeuten, dass wir weder Tanks einbauen noch Stauraum schaffen könnten.

Die Idee war dann die folgende: dort wo die künftige Küche und die künftige Sitzecke entstehen würde, muss man nicht die Bilge erreichen, sprich da kann der Raum für Tanks geschaffen werden. Dort wo allerdings nichts fest installiert sein würde, wollten wir Luken mit Zugang zur Bilge schaffen, über die auch die Tanks ein und wieder ausgebaut werden können.

Anschließend, so dachten wir, würden wir keinen Dreck mehr produzieren und lackierten die Bordinnenwände.

Das alles war viel Schweißarbeit. Wir hatten so langsam den Bogen raus. Vor wenigen Wochen zuvor hätten wir uns das niemals zugetraut. Es machte unheimlich viel Spaß, da man große Fortschritte machte.

Danach galt es die alten Regenwasserabläufe im Vorschiff zu erneuern. In die alten, durchgerosteten hat irgendeine „Fachkraft“ ganz normale Gummischläuche reingezwängt und diese mit reichlich Mumpe „dicht“ geschmiert. Das sah nicht nur furchbar aus, sondern wäre bestimmt irgendwann undicht geworden. Ich habe die alten rausgeplasmat, dann 90° Bögen aus 3mm Stahl eingepasst und reingeschweißt. Die alten Durchlässe wurden dicht geschweißt und „schon“ war die nächste Spalte aus der To-Do-Liste gestrichen.

Fenstereinbau #16

Der Fenstereinbau erfolgte in 2 Phasen. Die neue Eignerkabine wurde bereits im Jahr 2018 mit 2 neuen Bullaugen und 2 neuen Doppelverglasten Holzfenstern ausgestattet. Die Fenster haben uns so gut gefallen, dass wir sie etwas größer, auch für das Mittschiff bestellten. Die Montage der Fenster im Mittschiff erfolgte erst nach Lackierung der Bordinnenwände. Ein echter Meilenstein. Der Gesell ist wieder geschlossen. Ich erhoffe mir davon, dass auch im Winter im Innenraum weitergearbeitet werden kann. Die Fenster wurden in Polen nach eigenen Angaben hergestellt. Die Qualität ist sehr gut – bei Interesse gebe ich gerne den Kontakt weiter.

Pro Fenster mussten 24 Löcher in den 3mm Stahl gebohrt werden, was einen kompletten Tag beansprucht hat. Für die beiden Bullaugen waren es jeweils um die 40 Löcher. Da hat sich mal wieder gezeigt, das gutes Werkzeug eben kostet. Die Lidlbohrer konnte man nach einem Loch wegschmeißen, wenn Sie nicht ohnehin schon abgebrochen waren. Ebenfalls geholfen hat, dass wir die Löcher mit einem Plasmaschneider vorgeschnitten hatten und so mit den Bohrer die Löcher nur aufbohren mussten.

Abriss – Alles muss raus. #15

Bis 2017 wurde der Treue Gesell immer nur in „Etappen“ restauriert. Beziehungsweise es wurden nur einzelne Teilprojekte begonnen. Doch irgendwann war es an der Zeit: Abriss! Alles raus was keine Miete zahlt. Die Inneneinrichtung, die Wandverkleidung, die Fenster, die Dämmung, der Boden. Sogar die Tanks flogen raus, nachdem der Inhalt in Fässer abgepumpt und die Tanks kleingeschnitten wurden.
Die Bilge im Motorraum und der Vorpiek waren im wesentlich besseren Zustand als die des Mittelschiffs. Die Spanten waren teilweise sehr durch Rost angefressen. Nachdem einmal richtig aufgeräumt und ausgesaugt wurde, ging die Laune wieder hoch. Alles halb so wild.

Ab hier begann dann die zeitaufwändige Planung. Welche und wie viele Tanks wollen wir wieder einbauen? Wie kann der freie Raum möglichst gut genutzt werden? Wie befestigen wir den neuen Boden? Welche Fenster sollen verbaut werden? Wo verlaufen die Kabel, wo die Rohre? Wie wird die Bilge konserviert? Welche Dämmung? Welche Wandverkleiung? Ich könnte ewig so weiter machen.

Achterdeck – Deck, Dach und Luke #14

Das Achterdeck. Der Bereich wo der Schiffsführer während der Fahrt die meiste Zeit verbringt. Aber auch bei schlechtem Wetter, oder nettem Beinandersitzen ein schöner Fleck auf dem Treuen Gesellen.Von hier aus gelangt man außerdem in den Motorraum. Ein Bereich mit vielen Aufgaben.
Beim Kauf war ein Holzboden in das Deck verschraubt. Die Luke des Motorraums war billlig abgedichtet und generell störte mich so Einiges am Achterdeck.

Nachdem ein Schweißer einen zweiten Davit (Kran) zur Besfestigung des Beibootes angefertigt und montiert hatte, passte die Persenning nicht mehr und der Umbau konnte beginnen. Wie so oft mit der Demontage: Holzboden raus, Dach ab und die Luke weg.

Das Dach war dann wieder ein Fall für Leon. Diesmal mit Verstärkung. Einen Tag Arbeit – bei bitter kalten Minusgraden – für die Jungs. Es wurde noch von unten gebeizt und geölt.

Der Boden wurde mit Schrauben in das Stahldeck geschraubt. Das hatte zur Folge, dass sich Wasser seinen Weg entlang der Schrauben durch das Holz, entlang der Schrauben bis zum Motorraum suchen konnte. Dementsprechen viel Rost gab es auf dem Stahl. Teilweise waren einzelne Platten so marode, dass sie ersetzt werden mussten. Auch die ganzen kleinen Bohrlöcher mussten zugeschweißt werden. Dann der nächste Schock – einer der Vorbesitzer hatte versucht die Vertiefungen des Riffelblechbodens mit einer Epoxymasse auszugleichen. So richtig funktioniert hat das nicht. Die Folg: noch mehr Rost und eine Menge Arbeit für uns. Denn diese Epoxymasse galt es wieder zu entfernen. Nach einigen Versuchen mit verschiedenen Werkzeugen, darunter auch teure Tercoo-Scheiben, entschieden wir uns für die Flex mit Drahtbürstenaufsatz. Naja ihr könnt euch denken, dass das eine der weniger beliebten Arbeiten war und mehrere Tage beanspruchte.

Letzendlich haben wir es aber hinbekommen. Das Deck wurde mit Owatrol CIP konserviert, um ein erneutes Rosten zu verhindern. Der Motorraum wurde mit einer neuen Luke versehen und die Platten, welche zum Zweck eines Motorausbaus raus genommen werden können, wurden neu eingedichtet. Dann war Ruhe und das Regenwasser floss nicht einfach so in den Motorraum.

Elektrik – Einsatz für Raini #13

Jetzt kommen wir zu meiner Schwachstelle. Auch wenn ich schon vieles durch meinen Vater gelernt habe, Elektrik und ich werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. Und bei so einem Boot fällt das Thema dann doch sehr umfangreich aus.
Ein klarer Fall für meinen Vater, Informatiker, Multitalent – Raini 🙂

Die Planung der Elektrik hat einiges an Zeit in Anspruch genommen Raini musste sich erstmal in die Materie einlesen. Vieles ist nämlich unterschiedlich zu der Standard-Hauseletrik.

Ein Konzept musste also her. Folgende Gesichtspunkte mussten berücksichtigt werden:

  • Liege ich öfter am Landstrom, oder vor Anker?
  • Möchte ich autark unterwegs sein, oder habe ich oft Zugang zu Landstrom?
  • Welche Verbraucher möchte ich später betreiben?
  • Solarenergie, oder Windenergie?
  • Welche Batterien?
  • 12V oder 24V?
  • Welche Kabel?
  • Welche Instrumente?
  • Wo sollen Steckdosen hin?

Den „offiziellen“ Startschuss mit der Elektrik gab das Armaturenbrett. Mal wieder eine neue Baustelle offenbarte uns, wie schlecht der Zustand war. Und so kam es dazu, dass Raini loslegen konnte. Das Armaturenbrett wurde von Leon gleich 2 mal gebaut, da uns das erste aus Fichte nicht wirklich gefiel. Das Armaturenbrett hat neue Instrumente bekommen. Der Motor startet nun per Knopfdruck. Raini hat Alles unter dem Armaturenbrett angeordnet.

Doppelte Buckelei #12

Alte Gewichte raus, neue Gewichte rein.

 

Ein weiterer umfangreicher Arbeitsschritt war die Aufräumaktion im Motorraum. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass dieser mal aufgedoppelt wurde. Außerdem wurde er gesandstrahlt und anschließend neu lackiert. Eigentlich wunderbar, aber anschließend wurden 822,10 Kilogramm Basalt reingeschüttet. Der nahm nicht nur jede Menge Platz weg, sondern schabte wegen der teilweise starken Vibrationen während der Fahrt den frischen Lack runter und ließ es darunter rosten. Ein Umstand den ich schnellstmöglich ändern wollte. Allerdings konnte man nicht nur einfach das Zeug rausschmeißen, sondern musste es durch andere Gewichte ausgleichen, da ansonsten die Lage des Bootes im Wasser verändert worden wäre. Lange habe ich überlegt was ich benutzen könne und bin schlussendlich bei Bleibarren gelandet. Die habe ich zum Schrottpreis bei einem Mitglied aus dem Boote-Forum erstanden.

Gemeinsam mit meiner Freundin fuhr ich also mit einer Robbe Richtung Norden und die Buckelei begann. 700 Kilogramm Blei und 300 Kilogramm Stahl wurden in den Transporter gewuchtet. Zurück am Boot wurden die Gewichte ausgeladen und den Steg entlang zum Boot getragen. Zum Glück kam Justus zur Hilfe vorbei. Nun galt es die Basaltbrocken im engen Motorraum in stabile Eimer zu verfrachten und anschließend zu wiegen. Daraufhin wieder den Steg zurück zum Transporter und er Tausch Basalt gegen Blei und Stahl war abgeschlossen. Was für ein Platz auf einmal im Motorraum. Das gute an den Bleibarren ist, dass sie nur 2cm stark sind und sich so problemlos mit der Hand verbiegen lassen. So konnten wir die Barren perfekt an die Rumpfform anpassen. Mein Vater hat anschließend die Barren unter einem, aus den übrig gebliebenen Dielen, Boden  versteckt. Die Elektroinstallation konnte beginnen.

Der Basalt ist raus. Der ganze Raum zwischen den Spanten war gefüllt mit Basalt
Ganz schön gefährlich: hier sieht man einen Teil der alten Elektroinsallation.
So viel Basalt kam raus…
…und so viel Blei kam rein – das Gewicht ist gleich, das Volumen ein anderes.
Endlich ebener Boden im Motorraum, die Elektroinstallation hat begonnen.
Auch auf der Backbordseite: ebener Boden. Darunter erkennt man die Bleibarren.

Ein neuer Mast für den Gesellen – Danke Leon #11

Ode an den Mastbauer

 Von allen fleißigen Helfern möchte ich einen ganz besonders hervorheben. Leon. Kennenlernen durfte ich ihn schon vor einigen Jahren. Ein echter Handwerker. Direkt nach seiner erfolgreichen Ausbildung zum Dachdecker, begann er mit seinen Meistertiteln. Ja richtig, Titeln.  Mehrzahl. Und das als junger Mann von – peinlich – ich glaube 22 Jahren. Er bestand den Dachdeckermeister ebenso wie den Zimmermannmeister.

Kurze Zeit später gründete er mit einem Kollegen eine GmbH. Und ich, ja naja hatte eine Ausbildung in der Tasche.

Er hatte jedenfalls bessere Kennnisse über die handwerklichen Arbeiten. Außerdem war er glaube ich ziemlich angefixt vom Thema Boot. Und ich war ziemlich angefixt von seiner Arbeitsmoral. Jedenfalls fiel es mir nicht schwer auf einen Freund zu kommen, der mir helfen würde einen neuen Mast für den Treuen Gesellen zu bauen. Und Leon war sofort dabei. Mal was Neues für ihn. Wir mieteten uns in einer Werkstatt eines Freundes von ihm ein. Ich hatte zwei Tage frei und so begannen wir in der früh. Ausgangsmaterial waren 2 fette Bohlen Vollholz Mahagoni. Mir wird noch heute Schlecht beim Anblick des m³-Preises. Doch lest selbst aus dem Bericht des Boote-Forum:

Wir haben Stammware Mahagoni verarbeitet. Die Bohlen waren beide circa 4 cm stark. Diese wurden erstmal runtergehobelt auf 3 cm um eine glatte Oberfläche zu erhalten. Die beiden Seitenteile des Mastes wurden zurechtgeschnitten und bereit gelegt. Die Stirn- und Rückseite haben wir noch etwas dünner gehobelt, um sie biegsamer zu machen.

Anschließend wurden alle 4 Seiten miteinander verleimt und geschraubt, natürlich nachdem die Kabel eingezogen waren. Jeweils eines für das Toplicht, Ankerlicht und die Kamera.
Im unteren Drittel des Mastes haben wir den Mast mit Brettern „gefüttert“ um ihn aus Vollholz zu gestalten damit er ausreichend stark für die Befestigung im Mastfuß ist. Außerdem haben wir in der Mitte des Mastes einen Steg gebaut, um mehr Stabilität zu bekommen.

Mit Hilfe von einem Bumerang haben wir die Auflagefläche für die Kamera und das Ankerlicht ausgearbeitet.

Mit der Oberfräse wurden die Kanten gebrochen und dann noch alles geschliffen.

Anschließend wurden jede Menge Schichten des Öles D1 aufgetragen, bis das Holz gesättigt war. Danach das Finish mit D2.

Anhand der Bilder kann man ganz gut erkennen, dass es sich nicht um primitives Zusammenleimen gehandelt hat, sondern sehr präzise und genau gearbeitet wurde. Wir sind beide mehr als Zufrieden mit dem Ergebnis. Umso schlimmer wäre es gewesen hätten wir bei der ersten Fahrt mit Mast diesen an der ersten Brücke verloren. Dazu später mehr.