1 Schritt nach vorne, 2 Schritte zurück – Doppelte Arbeiten #19

Im letzten Beitrag schrieb ich noch etwas davon, dass wir endlich auf der Spur sind. So war es auch – für eine knappe Woche. Nachdem wir das Boot von Zehdenick in die Havelbaude überführt haben, fiel uns auf, dass wir ein kleines Leck im Rumpf haben. Wir konnten es nicht glauben. Nach all der Arbeit nun ein Leck.
Nachdem wir die Enttäuschung erst mal haben sacken lassen, ging es an die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten. Dazu wurde wieder das Boote-Forum herangezogen. Dort gab es erst mal einen „Anschiss“. Wieso haben wir eigentlich das nicht Boot schallen lassen. Ja wieso eigentlich? Es gab einen Gutachter vor Ort, das Boot war aus dem Wasser, eigentlich ideale Voraussetzungen. Tja, so ist das, wenn man den Kopf woanders hat. Wir hatten ja auch vorher kein Leck, deswegen hätten wir uns das vielleicht auch gar nicht erst vorstellen können.
Nun ja, was tun? Variante 1: In der guten alten Zeit wurde wohl oft einfach ein Holzpieker in das Leck gerammt, quellen lassen und dann Beton drauf. Variante 2: Boot raus und dann einen Flicken von außen drüber. Variante 3: Das Leck mit Mumpe zuschmieren, dann zurosten lassen und mit leben. Das waren so die Möglichkeiten die wir in Betracht zogen.
Letztendlich kam es knüppeldick.

Nachdem wir in einer anderen Werft einen Gutachter zu Gast hatten und der nach knapp 5 Messungen meinte, das habe alles keinen Sinn, rutschte mir das Herz in die Hose. Alles umsonst? All die Arbeit, all die Zeit? Auf die Frage was man machen könne gab es nur eine Antwort: der Rumpf muss neu! Zum Aufdoppeln wäre nicht genügend Material vorhanden und gerade die Innenverbände könnten das nicht tragen. Mutig ließen wir uns erst mal ein Angebot geben um das dann direkt abzulehnen. Das war ’ne Nummer zu krass. Wir überlegten hin und her, strichen hier und da was am Angebot und handelten einen anderen Deal aus. Nach knapp einem Monat an Land und weiteren Besichtigungen wurde der Auftrag unterzeichnet und die wohl größte Baustelle am Treuen Gesellen in Angriff genommen.

Profis sind eben Profis und arbeiten dann doch etwas anderes als wir. Der für uns verantwortliche Mitarbeiter zeigte mir in seinem Büro die über das CAD-Programm Zeichnungen für den neuen Boden. Er erklärte mir wie die neue Kielkühlung berechnet wurde und was die Verwendung von zwei Kielschweinen für Vorteile habe. Für den Laien erst mal sehr theoretisch, aber macht eben Eindruck.
Ich hatte ein mehr als gutes Gefühl. Ehrlichkeit ist hart, aber gut: so schimpfte er etwas mit mir, als er die Arbeiten der letzten Werft sah. So hätte er das niemals abgenommen. Völlig unprofessionell empfand er die Beratung der letzten Werft an mich.

Für mich war es an der Zeit mein Segelboot aus Finnland zu holen. Hier und da bekam ich ein paar Bilder vom Fortschritt am Boot. Und wie gedacht, war das alles sehr ordentlich. Zunächst wurden sehr starke Doppel-T-Träger an die Bordwand geschweißt, um das Boot aufbocken zu können ohne dass es sich verwindet.

Dann wurde der Brenner benutzt um den alten Boden herauszutrennen und die Spanten freizulegen.

In der Zwischenzeit wurde der neue Boden, mit innen liegender Kühlschlange, gefertigt. Dieser wurde dann an die bestehenden Spanten angeschweißt. Die nun noch offenen Rundungen des Unterwasserschiffs wurden anschließend mit der Bordwand verbunden.

Nach der Überführung, über die ich hier auf einer anderen Seite berichte, ging es dann an den Korrosionsschutz. Auch hier haben wir uns von der Werft beraten lassen und die Produkte von SIKA verarbeitet. Die Schweißnähte wurden alle mit Kreide eingepinselt und von Innen mit Diesel bestrichen. So sollten sich eventuelle undichte Stellen bemerkbar machen. Dies galt es zunächst zu bereinigen. Wir verarbeiteten zuerst einen Primer, dann einen Zwischenanstrich und final einen Endanstrich, alles in 2K. Danach kamen noch ein paar Schichten Antifouling der Marke Wilckens drauf.

Und dann das ganze von Innen. Dort haben wir zunächst nur den Primer aufgetragen, da wir nochmal Dreck machen werden.

Der Zwischenboden wird doch nochmal knapp 10 cm abgesenkt, um etwas mehr Stehhöhe zu gewinnen. Das Angebot der Werft für die Arbeit war uns zu teuer und wir haben mal wieder Lust aufs Schweißen.

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