Unterboden – der Start einer Schweißerkarriere? #17

Nun war das Boot erstmal kahl. Die Planung stand im Groben fest und die Umsetzung musste beginnen. So wie die Unterbodenkonstruktion vorher war, wollten wir sie nicht lassen. Die Querstreben waren im Abstand von ca 35cm angebracht. Das würde bedeuten, dass wir weder Tanks einbauen noch Stauraum schaffen könnten.

Die Idee war dann die folgende: dort wo die künftige Küche und die künftige Sitzecke entstehen würde, muss man nicht die Bilge erreichen, sprich da kann der Raum für Tanks geschaffen werden. Dort wo allerdings nichts fest installiert sein würde, wollten wir Luken mit Zugang zur Bilge schaffen, über die auch die Tanks ein und wieder ausgebaut werden können.

Anschließend, so dachten wir, würden wir keinen Dreck mehr produzieren und lackierten die Bordinnenwände.

Das alles war viel Schweißarbeit. Wir hatten so langsam den Bogen raus. Vor wenigen Wochen zuvor hätten wir uns das niemals zugetraut. Es machte unheimlich viel Spaß, da man große Fortschritte machte.

Danach galt es die alten Regenwasserabläufe im Vorschiff zu erneuern. In die alten, durchgerosteten hat irgendeine „Fachkraft“ ganz normale Gummischläuche reingezwängt und diese mit reichlich Mumpe „dicht“ geschmiert. Das sah nicht nur furchbar aus, sondern wäre bestimmt irgendwann undicht geworden. Ich habe die alten rausgeplasmat, dann 90° Bögen aus 3mm Stahl eingepasst und reingeschweißt. Die alten Durchlässe wurden dicht geschweißt und „schon“ war die nächste Spalte aus der To-Do-Liste gestrichen.

Fenstereinbau #16

Der Fenstereinbau erfolgte in 2 Phasen. Die neue Eignerkabine wurde bereits im Jahr 2018 mit 2 neuen Bullaugen und 2 neuen Doppelverglasten Holzfenstern ausgestattet. Die Fenster haben uns so gut gefallen, dass wir sie etwas größer, auch für das Mittschiff bestellten. Die Montage der Fenster im Mittschiff erfolgte erst nach Lackierung der Bordinnenwände. Ein echter Meilenstein. Der Gesell ist wieder geschlossen. Ich erhoffe mir davon, dass auch im Winter im Innenraum weitergearbeitet werden kann. Die Fenster wurden in Polen nach eigenen Angaben hergestellt. Die Qualität ist sehr gut – bei Interesse gebe ich gerne den Kontakt weiter.

Pro Fenster mussten 24 Löcher in den 3mm Stahl gebohrt werden, was einen kompletten Tag beansprucht hat. Für die beiden Bullaugen waren es jeweils um die 40 Löcher. Da hat sich mal wieder gezeigt, das gutes Werkzeug eben kostet. Die Lidlbohrer konnte man nach einem Loch wegschmeißen, wenn Sie nicht ohnehin schon abgebrochen waren. Ebenfalls geholfen hat, dass wir die Löcher mit einem Plasmaschneider vorgeschnitten hatten und so mit den Bohrer die Löcher nur aufbohren mussten.

Abriss – Alles muss raus. #15

Bis 2017 wurde der Treue Gesell immer nur in „Etappen“ restauriert. Beziehungsweise es wurden nur einzelne Teilprojekte begonnen. Doch irgendwann war es an der Zeit: Abriss! Alles raus was keine Miete zahlt. Die Inneneinrichtung, die Wandverkleidung, die Fenster, die Dämmung, der Boden. Sogar die Tanks flogen raus, nachdem der Inhalt in Fässer abgepumpt und die Tanks kleingeschnitten wurden.
Die Bilge im Motorraum und der Vorpiek waren im wesentlich besseren Zustand als die des Mittelschiffs. Die Spanten waren teilweise sehr durch Rost angefressen. Nachdem einmal richtig aufgeräumt und ausgesaugt wurde, ging die Laune wieder hoch. Alles halb so wild.

Ab hier begann dann die zeitaufwändige Planung. Welche und wie viele Tanks wollen wir wieder einbauen? Wie kann der freie Raum möglichst gut genutzt werden? Wie befestigen wir den neuen Boden? Welche Fenster sollen verbaut werden? Wo verlaufen die Kabel, wo die Rohre? Wie wird die Bilge konserviert? Welche Dämmung? Welche Wandverkleiung? Ich könnte ewig so weiter machen.

Achterdeck – Deck, Dach und Luke #14

Das Achterdeck. Der Bereich wo der Schiffsführer während der Fahrt die meiste Zeit verbringt. Aber auch bei schlechtem Wetter, oder nettem Beinandersitzen ein schöner Fleck auf dem Treuen Gesellen.Von hier aus gelangt man außerdem in den Motorraum. Ein Bereich mit vielen Aufgaben.
Beim Kauf war ein Holzboden in das Deck verschraubt. Die Luke des Motorraums war billlig abgedichtet und generell störte mich so Einiges am Achterdeck.

Nachdem ein Schweißer einen zweiten Davit (Kran) zur Besfestigung des Beibootes angefertigt und montiert hatte, passte die Persenning nicht mehr und der Umbau konnte beginnen. Wie so oft mit der Demontage: Holzboden raus, Dach ab und die Luke weg.

Das Dach war dann wieder ein Fall für Leon. Diesmal mit Verstärkung. Einen Tag Arbeit – bei bitter kalten Minusgraden – für die Jungs. Es wurde noch von unten gebeizt und geölt.

Der Boden wurde mit Schrauben in das Stahldeck geschraubt. Das hatte zur Folge, dass sich Wasser seinen Weg entlang der Schrauben durch das Holz, entlang der Schrauben bis zum Motorraum suchen konnte. Dementsprechen viel Rost gab es auf dem Stahl. Teilweise waren einzelne Platten so marode, dass sie ersetzt werden mussten. Auch die ganzen kleinen Bohrlöcher mussten zugeschweißt werden. Dann der nächste Schock – einer der Vorbesitzer hatte versucht die Vertiefungen des Riffelblechbodens mit einer Epoxymasse auszugleichen. So richtig funktioniert hat das nicht. Die Folg: noch mehr Rost und eine Menge Arbeit für uns. Denn diese Epoxymasse galt es wieder zu entfernen. Nach einigen Versuchen mit verschiedenen Werkzeugen, darunter auch teure Tercoo-Scheiben, entschieden wir uns für die Flex mit Drahtbürstenaufsatz. Naja ihr könnt euch denken, dass das eine der weniger beliebten Arbeiten war und mehrere Tage beanspruchte.

Letzendlich haben wir es aber hinbekommen. Das Deck wurde mit Owatrol CIP konserviert, um ein erneutes Rosten zu verhindern. Der Motorraum wurde mit einer neuen Luke versehen und die Platten, welche zum Zweck eines Motorausbaus raus genommen werden können, wurden neu eingedichtet. Dann war Ruhe und das Regenwasser floss nicht einfach so in den Motorraum.

Elektrik – Einsatz für Raini #13

Jetzt kommen wir zu meiner Schwachstelle. Auch wenn ich schon vieles durch meinen Vater gelernt habe, Elektrik und ich werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. Und bei so einem Boot fällt das Thema dann doch sehr umfangreich aus.
Ein klarer Fall für meinen Vater, Informatiker, Multitalent – Raini 🙂

Die Planung der Elektrik hat einiges an Zeit in Anspruch genommen Raini musste sich erstmal in die Materie einlesen. Vieles ist nämlich unterschiedlich zu der Standard-Hauseletrik.

Ein Konzept musste also her. Folgende Gesichtspunkte mussten berücksichtigt werden:

  • Liege ich öfter am Landstrom, oder vor Anker?
  • Möchte ich autark unterwegs sein, oder habe ich oft Zugang zu Landstrom?
  • Welche Verbraucher möchte ich später betreiben?
  • Solarenergie, oder Windenergie?
  • Welche Batterien?
  • 12V oder 24V?
  • Welche Kabel?
  • Welche Instrumente?
  • Wo sollen Steckdosen hin?

Den „offiziellen“ Startschuss mit der Elektrik gab das Armaturenbrett. Mal wieder eine neue Baustelle offenbarte uns, wie schlecht der Zustand war. Und so kam es dazu, dass Raini loslegen konnte. Das Armaturenbrett wurde von Leon gleich 2 mal gebaut, da uns das erste aus Fichte nicht wirklich gefiel. Das Armaturenbrett hat neue Instrumente bekommen. Der Motor startet nun per Knopfdruck. Raini hat Alles unter dem Armaturenbrett angeordnet.

Doppelte Buckelei #12

Alte Gewichte raus, neue Gewichte rein.

 

Ein weiterer umfangreicher Arbeitsschritt war die Aufräumaktion im Motorraum. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass dieser mal aufgedoppelt wurde. Außerdem wurde er gesandstrahlt und anschließend neu lackiert. Eigentlich wunderbar, aber anschließend wurden 822,10 Kilogramm Basalt reingeschüttet. Der nahm nicht nur jede Menge Platz weg, sondern schabte wegen der teilweise starken Vibrationen während der Fahrt den frischen Lack runter und ließ es darunter rosten. Ein Umstand den ich schnellstmöglich ändern wollte. Allerdings konnte man nicht nur einfach das Zeug rausschmeißen, sondern musste es durch andere Gewichte ausgleichen, da ansonsten die Lage des Bootes im Wasser verändert worden wäre. Lange habe ich überlegt was ich benutzen könne und bin schlussendlich bei Bleibarren gelandet. Die habe ich zum Schrottpreis bei einem Mitglied aus dem Boote-Forum erstanden.

Gemeinsam mit meiner Freundin fuhr ich also mit einer Robbe Richtung Norden und die Buckelei begann. 700 Kilogramm Blei und 300 Kilogramm Stahl wurden in den Transporter gewuchtet. Zurück am Boot wurden die Gewichte ausgeladen und den Steg entlang zum Boot getragen. Zum Glück kam Justus zur Hilfe vorbei. Nun galt es die Basaltbrocken im engen Motorraum in stabile Eimer zu verfrachten und anschließend zu wiegen. Daraufhin wieder den Steg zurück zum Transporter und er Tausch Basalt gegen Blei und Stahl war abgeschlossen. Was für ein Platz auf einmal im Motorraum. Das gute an den Bleibarren ist, dass sie nur 2cm stark sind und sich so problemlos mit der Hand verbiegen lassen. So konnten wir die Barren perfekt an die Rumpfform anpassen. Mein Vater hat anschließend die Barren unter einem, aus den übrig gebliebenen Dielen, Boden  versteckt. Die Elektroinstallation konnte beginnen.

Der Basalt ist raus. Der ganze Raum zwischen den Spanten war gefüllt mit Basalt
Ganz schön gefährlich: hier sieht man einen Teil der alten Elektroinsallation.
So viel Basalt kam raus…
…und so viel Blei kam rein – das Gewicht ist gleich, das Volumen ein anderes.
Endlich ebener Boden im Motorraum, die Elektroinstallation hat begonnen.
Auch auf der Backbordseite: ebener Boden. Darunter erkennt man die Bleibarren.

Ein neuer Mast für den Gesellen – Danke Leon #11

Ode an den Mastbauer

 Von allen fleißigen Helfern möchte ich einen ganz besonders hervorheben. Leon. Kennenlernen durfte ich ihn schon vor einigen Jahren. Ein echter Handwerker. Direkt nach seiner erfolgreichen Ausbildung zum Dachdecker, begann er mit seinen Meistertiteln. Ja richtig, Titeln.  Mehrzahl. Und das als junger Mann von – peinlich – ich glaube 22 Jahren. Er bestand den Dachdeckermeister ebenso wie den Zimmermannmeister.

Kurze Zeit später gründete er mit einem Kollegen eine GmbH. Und ich, ja naja hatte eine Ausbildung in der Tasche.

Er hatte jedenfalls bessere Kennnisse über die handwerklichen Arbeiten. Außerdem war er glaube ich ziemlich angefixt vom Thema Boot. Und ich war ziemlich angefixt von seiner Arbeitsmoral. Jedenfalls fiel es mir nicht schwer auf einen Freund zu kommen, der mir helfen würde einen neuen Mast für den Treuen Gesellen zu bauen. Und Leon war sofort dabei. Mal was Neues für ihn. Wir mieteten uns in einer Werkstatt eines Freundes von ihm ein. Ich hatte zwei Tage frei und so begannen wir in der früh. Ausgangsmaterial waren 2 fette Bohlen Vollholz Mahagoni. Mir wird noch heute Schlecht beim Anblick des m³-Preises. Doch lest selbst aus dem Bericht des Boote-Forum:

Wir haben Stammware Mahagoni verarbeitet. Die Bohlen waren beide circa 4 cm stark. Diese wurden erstmal runtergehobelt auf 3 cm um eine glatte Oberfläche zu erhalten. Die beiden Seitenteile des Mastes wurden zurechtgeschnitten und bereit gelegt. Die Stirn- und Rückseite haben wir noch etwas dünner gehobelt, um sie biegsamer zu machen.

Anschließend wurden alle 4 Seiten miteinander verleimt und geschraubt, natürlich nachdem die Kabel eingezogen waren. Jeweils eines für das Toplicht, Ankerlicht und die Kamera.
Im unteren Drittel des Mastes haben wir den Mast mit Brettern „gefüttert“ um ihn aus Vollholz zu gestalten damit er ausreichend stark für die Befestigung im Mastfuß ist. Außerdem haben wir in der Mitte des Mastes einen Steg gebaut, um mehr Stabilität zu bekommen.

Mit Hilfe von einem Bumerang haben wir die Auflagefläche für die Kamera und das Ankerlicht ausgearbeitet.

Mit der Oberfräse wurden die Kanten gebrochen und dann noch alles geschliffen.

Anschließend wurden jede Menge Schichten des Öles D1 aufgetragen, bis das Holz gesättigt war. Danach das Finish mit D2.

Anhand der Bilder kann man ganz gut erkennen, dass es sich nicht um primitives Zusammenleimen gehandelt hat, sondern sehr präzise und genau gearbeitet wurde. Wir sind beide mehr als Zufrieden mit dem Ergebnis. Umso schlimmer wäre es gewesen hätten wir bei der ersten Fahrt mit Mast diesen an der ersten Brücke verloren. Dazu später mehr.

Baustelle auf den letzten Drücker #10

Herrentag an Bord

Ich lag mittlerweile am Niederneuendorfer See. Ein Liegeplatz zu dem mir meine Oma verhalf. Sie handelte mit dem türkischen Besitzer sogar einen schönen Rabatt raus. Danke Omi.

Die ersten Umbauten waren beschlossen und ich wollte gerne beginnen. Die Dachterrasse war marode. Außerdem war der oben montierte Handlauf eine Gefahr und sollte schnellstmöglich erneuert werden. Ein Fall für Leon. Ich: „Meinst du wir könnten uns mal die Terrasse auf meinem Boot angucken?“ Er: „Klar, wann?“

Wenige Tage und eine Besichtigung der zukünftigen Baustelle später bekam ich schon die Nachricht vom Holzlieferanten – meine Lärche sei da.

Ich entfernte die alten Bretter gemeinsam mit meiner Freundin, bereitete alles vor und fuhr gemeinsam mit Leon „die Baustelle“ zur Havelbaude. Die Havelbaude ist ideal gelegen. Ich kann schnell da sein, man kann laut sein und man hat jede Menge Platz. Immernoch überwintere ich gerne dort.

Der Herrentag 2017 stand an. Tatsächlich hatten wir noch 2 Tage bis zum Ehrentag der Männer. Das Boot hatte aber keine Dachterrasse mehr. Und so kam es, dass jede Menge freiwillige Helfer am Treuen Gesellen anzutreffen waren. Früh morgens in der kühlen, sonnenfreien Zeit strichen Flori und ich das offengelegte Stahldach mit neuem Bitumen. Nach mehreren Schichten und kurzer Trockenzeit begann Leon die Unterkonstruktion zu verlegen. Es folgten die Latten. Eine Arbeit, bei der man von Minute zu Minute einen Fortschritt sieht. Das macht Spaß, selbst im Regen. Bis spät abends waren wir vor Ort und machten mit der letzten Latte Feierabend. Dann, am nächsten Tag – Herrentag – mussten nur noch die Handläufe montiert werden und die Überstände der Latten abgeschnitten werden.

Kurze Dusche und wir konnten ablegen. „Pflong“ – die Kronkorken flogen nur so durch die Gegend. Ich blieb gesetzestreu nüchtern. Wir waren insgesamt eine Truppe von gut 25 Mann, aufgeteilt auf 3 Boote. Ein Lotos 2 eines Freundes, einem weiteren Kajütboot eines Freundes mit Außenborder und eben der Treue Gesell. Unser Ziel war die Marina Liebenwalde. Da wir auf Grund der Arbeiten erst recht spät losgekommen sind, mussten wir bei Lehnitz irgendwo übernachten. Wir machten an einem Schubverband an der Malzer Werft fest. Hier kamen weitere Freunde an Bord und es wurde sich auf den nächsten Tag eingestimmt. Am nächsten Tag ging es dann früh weiter. Schon bald erreichten wir unseren Zielhafen. Ganz schön eng, aber mittlerweile konnten wir den Gesellen schon ganz gut manövrieren. Das Zauberwort lautet Leinenarbeit.

Der Herrentag wurde ausgiebig gefeiert und am Abend verließen uns einige Mitreisende. Die beiden anderen Boote verschwanden am nächsten morgen, doch für einen Teil der Crew des Treuen Gesellen begann das Wochenende erst.

Wir wollten weiter. Neues Ziel war der Werbellinsee. Der zweittiefste See in Brandenburg.

Wir fuhren einen Teil der Strecke mit den anderen zurück und bogen dann vom Malzer Kanal auf den Oder-Havel-Kanal in Richtung Westen ab. Kanal. Langweilig. Einfach nur geradeaus.

Dann kam unsere Abzweigung. Bei Marienwerder ging es Richtung Norden auf den Werbellinkanal. Was für ein Unterschied. Und wie schmal das ist. Oh Gott. Wenn uns hier einer entgegenkommt. An einer Schleuse traf ich dann ein Forumsmitglied vom Boote-Forum. Wir grüßten einander. Kurzer Schnack. Und nach unserer Rückkehr fand ich ein Foto des Treuen Gesellen in meinem Thread. Danke.

Ein paar Schleusen und kleinen Seen später lichtete sich der schmale, naturbelassene Kanal und wir waren da. Was für ein schöner See. Seiner Tiefe geschuldet war das Wasser kristallklar und azurblau. Das Echolot zeigte einen Maximalwert von 75 Metern.

Wir freuten uns und schmissen an einer schönen Stelle den Anker. Ab ins Wasser – verdammt kalt.

Wir suchten uns einen Steg für die Nacht und wurden an einem Außensteg fündig. Perfekt.

Wir verbrachten das Wochenende auf dem See und fuhren am Sonntag zurück zur Havelbaude.

Was für ein gelungenes Erlebnis.

Der Umzug #9

Der Treue Gesell zieht ins Dorf

Nach weiteren kurzen Törns in die umliegenden Seen, wie beispielsweise dem Seddinsee und Dämeritzsee, war es endlich Zeit für den großen Umzug in meine Heimat. Ziel war die Havelbaude um dort den Geburtstag des Vaters eines Freundes zu zelebrieren. Es war Ende März 2017. Noch war nicht viel los auf den Wasserstraßen. Auch die Funkpflicht innerhalb von Berlin besteht erst ab dem 01.04. ideale Voraussetzungen für uns.

Und halleluja –  das Wetter war auf unserer Seite. Strahlender Sonnenschein und nur einige wenige Wolken am Himmel. Über die Fahrt berichtete ich auch im Boote-Forum:

Letztes Wochenende war es dann soweit. Ich habe meine erste Tour durch Berlin gewagt. Gemeinsam mit 10 Freunden verließen wir den Liegeplatz im Flakensee und setzten Kurs Richtung Westen. Über den Müggelsee und klein Venedig gelangen wir zur Rummelsburger Bucht, in der wir uns die Schäden der ausgebrannten Boote ansahen. Wenige Tage vorher brannten dort einige selbstgebaute Boote. „Lummerland“ genannt, quasi eine schwimmende Insel aus mehreren kleinen Boote.

Kurze Zeit später ging es weiter unter der Oberbaumbrücke hindurch auf die Spree. Wir fuhren bis kurz hinter die Mühlendammschleuse und machten am Sportlieger an der Friedrichstraße fest. Dort grillten wir und ließen den Abend ausklingen. Am nächsten morgen wurden wir dann von der WSP zur Kasse gebeten, da wir dort erst ab dem 1.4. hätten liegen dürfen. Die Strafe durch 10 geteilt – kaum der Rede Wert.
Am zweiten Tag fuhren wir weiter durch Berlin zu Tal – einfach unfassbar. Die Schleuse Charlottenburg war kurze Zeit später erreicht und von da aus hatten wir es auch nicht mehr weit bis zur Schleuse Spandau. Die Havel zu Berg fuhren wir etwas langsamer und schon bald entdeckten wir die Havelbaude. Ziel erreicht.
Wir hatten das Premiumwetter schlecht hin. Es war eine geniale Erfahrung und wird dieses Jahr definitiv noch das eine oder andere Mal wiederholt. Wir sind die ganze Zeit circa 10 km/h gefahren und haben kaum länger als 13 Stunden gebraucht.

Und so hatten wir auch das gerockt. Einmal durch Berlin. Das war natürlich was anderes als im September über den Seddinsee zu dümpeln. Die Spree wird von vielen Berufsschiffen befahren, welche immer Vorrang haben. Am besten spricht man sich daher mit denen über Funk ab – schlecht wenn man den auf Grund fehlender Funkzeugnisse noch nicht bedienen darf. Also stand das ganz oben auf unserer Prioritätenliste. Schnell waren auch die in der Tasche.

„Volle Fahrt vorraus!“ #8

Die erste eigene Tour

Von Beginn an hatte ich eine WhatsApp-Gruppe eröffnet mit meinen engsten Freunden. In dieser wollte ich zu Touren einladen und kommende Arbeitseinsätze ankündigen.

Die Resonanz über den Bootskauf war enorm. Alle meinten sie würden bei jeder Möglichkeit helfen und natürlich gerne mal mit fahren. Ich kann euch sagen, sowas lässt sich leicht sagen. Was sagen und was tun sind dabei oftmals ganz verschiedene paar Schuhe. Ich halte es mittlerweile so:“ Wer hilft, fährt mit!“ Mir ist schon klar, dass es größtenteils meine Baustelle ist und ich nicht unbegrenzt auf die Hilfe meiner Freunde hätte zählen können, aber schnell war klar wer wirklich Lust drauf hat und bereit war  zu helfen.

Mit zweien meiner fleißigsten Helfer, plante ich dann auch die erste Tour. Komplettes Neuland. Alleine dieses riesen Boot steuern. Flori und Sandro sollten sich um die Fender und Leinen kümmern und aufpassen, dass ich nirgends gegen rausche. Ich sagte mir bei dem Ablegemanöver: „Immer schön ruhig. Keine Hektik. Lass dir Zeit.“ Und so klappte das wunderbar. Schon waren wir raus aus der Box und setzten unseren Kurs Richtung Müggelsee. Wir fuhren durch Klein-Venedig und bekamen das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Prompt war die Hängematte gespannt und wir genossen das Wetter. Geplant war ein Wochenende an der Rummelsburger Bucht. Dort wo ich fast ein Boot gekauft hätte.

Zunächst wollten wir jedoch einen Altarm der Spree erkunden. Dort sollte auch eine Tankstelle sein. Davor wollte ich noch das Beiboot in Betrieb nehmen. In Köpenick gab es einen öffentlichen Steg zu dem wir fahren wollten. Auf einmal waren wir da. Der Steg kam immer näher und mir wurde bewusst – Du musst da jetzt anlegen. Nervosität machte sich breit und ich handelte wie in Trance. Ohne klare Kommandos fuhr ich auf den Steg zu und dachte, dass das irgendwie schon funktionieren müsste. In einem viel zu steilen Winkel fuhr  ich den Steg an. Zum Glück sehr langsam, sonst hätten es Sandro, Flori und ein freundlicher Helfer auf dem Steg nicht geschafft, das Boot umzulenken. Mit leicht zitternden Beinen vertäuten wir das Boot, bedankten uns bei dem Helfer und setzten unseren Plan, das Beiboot zu Wasser zu lassen um. Der Außenborder wurde montiert und die erste Spritztour stand an.

Kurze Zeit später legten wir wieder ab. Flori überprüfte den Dieselfüllstand – 300 Liter. Noch immer etwas geschockt vom Anlegemanöver und generell etwas überfordert von der ganzen Situation, geriet ich in Panik. 300 Liter? Als wir losfuhren waren das über 700 Liter. Nichtwissend, dass Flori versehentlich den Wasserfüllstand überprüfte und nicht den des Diesels, setzte ich sofort Kurs Tankstelle. Wie beschrieben ist das wirklich nur ein Kanal. Nicht besonders breit und an den Ufern sehr flach. Dazu noch jede Menge anderer Boote, auch Kanus, die man der schlechten Sicht geschuldet fast übersah. Stress für mich. Und dann wieder ein Anlegemanöver – an einer Tankstelle. Durchatmen. Ich hätte mir für das Anlegemanöver eine 3 gegeben. Wieder musste Sandro eingreifen. Noch dazu war ich viel zu schnell und zu zaghaft beim aufstoppen. Jedoch lagen wir fest und konnten uns beruhigen. Da noch immer die Öffnung des Wassertanks offen stand, tankten wir unbehelligt Diesel hinein.

Weiter geht’s. Alle auf die Posten. Motor starten. „Klick“. Kurz warten. „Klick“ – der Motor will nicht starten. Das kann nicht wahr sein. Nicht schon wieder. Und das ausgerechnet an der Tankstelle mit mittlerweile mehreren Booten in der Warteschlange, da wir mit den 15 Metern die ganze Tankstelle blockierten. Ein einzelnes Boot kam längsseits und fragte was los ist. Sandro und ich waren schon seit einigen Minuten im Motorraum und versuchten das Schwungrad des Motors zu drehen. Wir vermuteten, dass der Anlasser an einem Art Totpunkt stehen geblieben ist und es nicht schafft von den Motor zu drehen. Im Motorraum hatte es circa 50 Grad Celsius. Der Schweiß lief nur so. Doch wir schafften es irgendwie den Motor wieder zum laufen zu bringen. Ablegen. Erneutes Durchatmen.

Die Dahme wurde zur Spree. Der Verkehr nahm zu und man erkannte die ersten Orte wieder. Wie anders doch alles vom Wasser aus aussieht. Und wie viel Wasser überhaupt in und um Berlin fließt. Vorher ist mir das nie aufgefallen.

„Da! Das Riesenrad des Plänterwalds. Wir sind bald da.“ In diesem Moment nahm ich das Warnschild vor Flugzeugen wahr. „Flugzeuge?“, fragte ich mich in dem Moment als um die Ecke tatsächlich ein rotes Wasserflugzeug zum Start ansetzte. Keine 50 Meter weg von uns erhob sich das Flugzeug in den Himmel. Mit offenen Mündern standen wir da und schauten dem Flugzeug hinterher.

Keine 10 Minuten später erreichten wir die Rummelsburger Bucht. Wir legten ein 1A Anlegemanöver hin und klatschten mit breiter Brust ab. Ziel erreicht. Alle Finger dran. Sonnenuntergang. Wir schmissen den Grill an und setzten uns auf die Dachterrasse und speisten fürstlich.

Wir waren platt. Und nach ein paar Bieren waren wir bereit in die Kojen zu hüpfen. Zähneputzen, Duschen – wie zuhause. Doch Flori beklagte sich über die Wasserqualität. Das Zähneputzen brachte einen Dieselgeschmack mit sich. Sandro verspürte ein Jucken nach der Dusche. Ich brauchte keine 3 Sekunden und wusste was passiert ist. Der nächste Schock an diesem Tag. Wir haben Diesel im Wassertank. Ein klassischer Anfängerfehler.

Am nächsten Morgen legten wir wieder ab und fuhren dieselbe Strecke zurück. Am Ende der Fahrt stand wieder das Anlegemanöver an. Wir hatten etwas Pech mit dem Wetter. Es herrschte relativ starker Wind von der Seite. Ähnlich stark wie an dem Tag als L. die Probefahrt auf Grund des Windes absagte. Nun ja, da müssen wir jetzt durch, dachte ich mir.

Bei der ersten Anfahrt fühlte ich mich nicht wohl und gab das Kommando nochmal zurückzusetzen und von vorne zu beginnen.

Nach Einlegen des Rückwärtsganges sah ich nach hinten und bemerkte das Beiboot, welches wir an einem Tau hinter dem Gesellen herzogen, und das nun sehr schnell immer näher kam.

Instinktiv kuppelte ich aus. Was ist passiert? Das Tau hatte sich im Propeller oder der Welle verfangen und hat sich aufgewickelt. Gerade noch rechtzeitig reagierte ich – doch nun waren wir manövrierunfähig. Und das kurz vor dem Steg. Nahe dem Ufer. „Sofort den Anker runter!“, brüllte ich. Das klappte schon mal. Wir lagen, zur Verwunderung der Stegnachbarn, fünf Meter vor dem Ufer und 20 Meter vor dem Steg. Anschließend sprang Sandro, bewaffnet mit einem Messer und einer Tauchermaske, in das Wasser und versuchte das verhedderte Tau loszuschneiden. Erfolg.

Nach Bergung des Beibootes und Lichten des Ankers fuhren wir ohne Problem in den Liegeplatz und machten fest.

Was für eine erste Fahrt. Was für ein Stress. Was für ein Erlebnis. Wir haben alle sehr viel gelernt und freuten uns auf das nächste Mal.